Einer fehlt – Wenn ein Haustier stirbt

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©Manuela Agethen

Von Ola M., shelta-Team. (4)

Mein Kater Maciek ist noch jung, aber meine Lissy wird wohl schon etwa 15 Jahre alt sein. Ganz genau wissen wir es nicht, weil sie aus dem Tierschutz stammt. Aber fest steht: Wahrscheinlich wird es Lissy sein, die uns als nächstes verlassen wird. Und das muss ich dann meiner Tochter erklären. Es werden Tränen fließen, auch bei mir.

Ich weiß noch, als ich den Tod das erste Mal bewusst wahrgenommen habe. Ich war zwölf oder 13 Jahre alt. Woran mein geliebtes Rosetten-Meerschweinchen Kuba gestorben ist, konnte die Tierärztin im Nachhinein nicht sagen. Vielleicht war es einfach an der Zeit. Denn Kuba war schon alt – acht Jahre, also eigentlich im oberen Bereich der Lebenserwartungsskala.

Leider hat mich damals niemand darauf ausreichend vorbereitet, dass das Leben eines Meerschweinchens auch mal endet. Im Vorbeigehen hieß es zwar immer „Kuba ist alt, er lebt bestimmt nicht mehr lange, also sei nicht traurig, wenn er stirbt“. Hmmm, „Sei nicht traurig, wenn er stirbt“…. Wie soll sich ein Kind das vornehmen?

Eines Tages lag Kuba regungslos im Käfig auf seiner linken Seite. Dass etwas nicht stimmt, merkte ich sofort: Sein Käfigtürchen stand tagsüber offen und für gewöhnlich begrüßte er mich lauthals quiekend an der Zimmertür, wenn ich von der Schule kam. War niemand zu Hause, konnte er das gesamte Zimmer für seine Unternehmungen nutzen. Waren wir zu Hause, durfte er zudem noch in den Flur und in mein Zimmer rüberwackeln – all das mit geschickten Absperrungen und Schutzvorrichtungen gesichert. Hätte man meinen Eltern vor etwa 25 Jahren noch den Rat gegeben, zwei Meerschweinchen zu nehmen, statt nur eines, wäre Kuba wahrscheinlich das glücklichste Meerschwein der Welt gewesen. Heute wissen wir es besser.

Wie gesagt, normalerweise begrüßte er mich von weitem. Aber an dem Tag – nichts. Kein Quieken. Nicht ein einziger Ton dieses ohrenbetäubenden Gekreisches, sobald der Schlüssel in der Tür rumgedreht wurde. Nichts. Stille.

Ein Blick in den Käfig ließ mir die Tränen in die Augen schießen. Ich tastete mich vorsichtig heran, streichelte den kleinen leblosen Körper. Keine Reaktion. Bald darauf kamen auch meine Eltern. Aber mir half nichts. Ich habe den ganzen Tag schluchzend im Arm meiner Mutter verbracht (auch für sie war es schwer, sie weinte mit mir – sogar mein Vater war überrascht, wie nah ihm Kubas Tod ging, ich meine auch bei ihm glasige Augen erkannt zu haben).

Noch lange Zeit darauf habe ich mir eingebildet, die typischen Laute zu hören, wenn Kuba sich durch sein frisches Heu wühlte, auf der Suche nach genau diesem einen Halm, der ganz unten im Ballen versteckt war.

Heute kann ich besser damit umgehen. Die allermeisten Tiere können uns nun mal nicht unser gesamtes Leben lang begleiten. Ihre Zeit ist deutlich knapper bemessen als unsere.

Katzen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 15 Jahren, besonders fitte Schmuser schaffen sogar 20 Jahre und einige weniger leben noch länger. Ich weiß also, dass Lissys Tod in den nächsten Jahren ein Thema sein wird. Momentan ist sie soweit gesund. Ihren Diabetes können wir erfolgreich mit einer Nahrungsumstellung in Zaum halten.

Aber was wird, wenn auch sie stirbt? Meine Tochter wird es bewusst wahrnehmen. Sie wird traurig sein, wütend und verzweifelt – wie ich damals. Und dann muss ich da sein. Stark und sicher vom Leben erzählen. Wie es beginnt, wie wichtig es ist, es sinnvoll und glücklich zu nutzen, und wie es endet. Und, dass das Glück unserer Haustiere in unseren Händen liegt.

Ich wünsche uns allen viel Kraft. Viel Kraft für uns, viel Kraft für unsere Kinder, viel Kraft für unsere Eltern und Freunde, für eben alle Hinterbliebenen. Denn stirbt ein Haustier, stirbt ein Familienmitglied, ein Freund, ein Begleiter.

Dennoch werde ich mir auch zukünftig diese Erfahrung nicht ersparen: Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos – um frei nach Loriot zu zitieren. Wir genießen die Freundschaft unserer Tiere, deshalb tragen wir Verantwortung. Wir spielen gemeinsam, sie schenken uns so viel Freude. Wir sind ihnen gegenüber verpflichtet, uns um sie zu sorgen und ihnen bis ans Lebensende treue Begleiter zu sein. Wenn der Tag gekommen ist, an dem keine Pfote mehr meinen frisch gewischten Flur verschmutzt, werde ich ein neues Tier adoptieren. Wir alle bewältigen die Trauer, verarbeiten die Wut über den Verlust und sehen dann wieder nach vorne. Im Tierheim warten so unendlich viele Fellnasen. Da wird bestimmt eine dabei sein, die zu uns und zu der wir passen. Und ich bin überzeugt: Auch diese Fellnase wird uns viel Freude schenken – und wir ihr!

In Gedenken an all meine verstorbenen Haustiere, die mir viele Jahre lang die besten Freunde waren.

4 Gedanken zu “Einer fehlt – Wenn ein Haustier stirbt

  1. Habe gestern meine deutsche Pinscherin “ Quicke“ nach 14,5Jahren einschläfern lassen müssen. Meine Quicke war eine Hündin ohne großes Interesse für irgend etwas, spielen wollte sie nicht, mit Bewegung hatte sie auch nicht viel im Sinn und mit hören war schon garnichts zu machen. Einmal hat sie sich aus dem Halsband gelöst und ist erstmal abgehauen. Auf mein rufen , zeigte sie mir die kalte Schulter. Ich hatte Todesängste als sie sich auf die Straße zu bewegte aber mein brüllen vernahm sie nicht mehr. Zum Glück hielten die Pkw’s an und hupten ordentlich, aber meine Quicke blieb stehen und rührte sich nicht. Das habe ich öfters erlebt. Vor meine Quicke hatten auch die Katzen keine Angst, im Gegenteil sie kamen meist mit Puckel aus ihren verstecken. Sie war ein sehr friedlicher Hund, hat sich immer zurück gehalten und trotzdem mußte ich sie 5+ nach Hundeangriffe zusammennähen lassen. Ich glaube so richtig unterwerfen konnte sie sich nicht, denn sie blieb nur schüchtern stehen und schrie vor Angst laut. Ich habe mich oft dazwischen geworfen. Wahrscheinlich hat sie nur Pech gehabt, da ihre Tochter“Aska“ beim Spaziergang bei war und eigentlich meistens sie der Grund wegen der Hundeangriffe war. Sie wurden dabei beide meist schwer verletzt. Aber Quicke konnte etwas anderes sehr gut. Sie hat mit uns gesprochen, indem sie uns anbellte, wenn ihr was nicht passte, wenn sie Futter wollte, wenn sie zu uns in den Garten wollte, wenn die Postfrau nicht schnell genug mit dem Leckerlie raus rückte, wenn sie schlafen wollte. Zum Abend ist sie ins Schlafzimmer gegangen und schnarcht uns was vor. Wir haben soviel zusammen erlebt und jetzt fehlt sie mir so. Kein rufen( bellen) mehr, kein Begrüßen, kein Nerven, kein Schnarchen einfach nichts mehr. Es ist still geworden.

  2. Habe gerade erst am 10.09. meine Katze Elli verloren. Wir mussten sie einschläfern lassen, da sie Krebs hatte. Sie hatte ein schönes Leben und ist ganz sanft in meinen Armen eingeschlafen. Sicher, ich hätte sie noch einige Tage mehr „haben“ können, aber der Schmerz kommt sowieso, ob heute oder morgen. So ist ist in Würde gestorben , und das war ich ihr schuldig. Machs gut, kleine Elli, ich hoffe, du bist gut im Regenbogenland angekommen und wartest dort auf mich.

  3. Wir haben in diesem Jahr drei Katzen verloren – zwei alte 15 jährige Damen und einen einjährigen Jungspund. die beiden Katzen haben uns 13 Jahre und ein Jahr begleitet, und als wir sie wegen Ihren schweren Krankheiten einschläfern lassen mussten, war es sehr traurig, aber wir könnten für sie die Verantwortung für ein leichteres nicht qualvolles Sterben übernehmen. Das gibt ein ganz klein wenig Trost.
    Als wir dann zwei einjährige Rabaukenkater aus dem Tierheim Hildesheim bekamen, war unser Familienleben wieder vollkommen. Unser roter Jerry war allerdings zu neugierig, dass er durch mehrere Gärten hindurch zur großen Straße gelaufen ist und…
    Über Tasso shelta/flying cats sind wir nun in den Besitz einer frechen Katze aus Rhodos gekommen, die sich als prima Zweitkatze für den verwaisten Tom und uns herausgestellt hat.
    Manche denken, man muss seine Tiere erst lange betrauern, bevor man sich neue ins Haus holt. Wir sind froh, wieder Leben im Haus zu haben. Kein Tier ist wie das andere und die ehemaligen bleiben im Herzen und in der Erinnerung mit ihren Eigenarten. Wir sind auch der Meinung, dass es gut ist, sich seinen neuen Schützling bei den Tierschutzorganisationen auszusuchen.

  4. Imke Pohl „Gewiß werde ich traurig sein, wenn Du gehst.
    Es wird still sein.
    Die Stille wird sich mit Leben füllen,
    das wieder einmal anders ist.
    Dann werde ich dankbar sein,
    daß es Dich gab…“
    13. August 2009 um 22:17 · Gefällt mir

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