Erste Hilfe für Hund und Katze

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Für jeden Hunde- oder Katzenbesitzer ist es ein Albtraum, wenn das eigene Tier plötzlich sofortige medizinische Erstversorgung nach einem Unfall benötigt.

Doch was genau muss eigentlich getan werden, wenn der Vierbeiner stabil zum Tierarzt transportiert werden soll? Ganz wichtig: Ruhe bewahren. Gerade bei einem Verkehrsunfall ist es – wie bei uns Menschen auch – von besonderer Bedeutung, dass die Unfallstelle abgesichert wird. Es gilt außerdem besondere Vorsicht, denn gerade unter Schock können sich Tiere unberechenbar verhalten. Dem Tier sollten sich Halter also immer vorsichtig nähern, um einen möglichen Angriff zu vermeiden.

Sind Sie einmal beim Tier und konnten es für den Anfang beruhigen, sollten Sie aufpassen, dass das Tier nicht instinktiv vom Unfallort fliehen möchte, denn es kann so zu einer Verschlimmerung der Verletzungen kommen.

Folgende Punkte sollten Katzen- und Hundehalter vor allem nach einem Unfall immer beachten:

1. Hat das Tier einen Schock erlitten?

Generell gilt, dass Schockzustände nicht unterschätzt werden sollten! Grund dafür ist, dass es dadurch zu einem Zusammenbruch des Blutkreislaufes kommen und in dessen Folge es zum Tod kommen kann. Typische Anzeichen für einen Schock ist ein depressives und apathisches Verhalten des Tieres. Auch mangelnde Reaktion auf die Umwelt, sinkende Körpertemperatur sowie eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz sind Anzeichen für einen Schock des Tieres. Katzen und auch Hunde haben eine normale Körpertemperatur von etwa 38 bis 39 ° C, die kritischen Werte liegen bei weniger als 36 oder mehr als 40,5 ° C. Der Ersthelfer muss in einem Schockzustand gerade bei zu niedriger Temperatur dafür Sorge tragen, dass das Tier nicht auskühlt.

2. Ist ein Herzschlag zu spüren?

Den Herzschlag bei einem Tier kannst Du am besten an der Oberschenkelinnenseite fühlen. An dieser Stelle verläuft die Beinschlagader, durch einen leichten Druck mit zwei Fingern gegen den Oberschenkelknochen des Tieres wird die Pulswelle spürbar. Ist an dieser Stelle kein Herzschlag zu spüren, ist es noch möglich, diesen am Brustkorb abzuhören. Ist der Puls nur schwach oder gar nicht spürbar, ist die Herzmassage im Wechsel mit künstlicher Beatmung als Sofortmaßnahme notwendig. Das Tier sollte dafür auf seine rechte Seite gelegt werden, der Untergrund muss fest sein. Die richtige Position des Herzens finden Sie, indem Sie das linke Vorderbein leicht anwinkeln. Der Ellenbogen zeigt dann zum linken unteren Viertel des Brustkorbs, wobei der Ansatzpunkt für die Herzmassage direkt hinter der Gelenkspitze zu finden ist. Ersthelfer üben bei kleineren Tieren bis zur Größe einer Katze mit Zeige- und Mittelfinger Druck auf den Brustkorb aus, bei größeren Tieren müssen beide Hände übereinander gesetzt werden. Es gilt: zehn bis fünfzehn Wiederholungen (kräftig drücken) und anschließende künstliche Beatmung.

3. Wie ist die Atmung des Tieres?

Wenn sich der Brustkorb des Tieres nicht sichtbar hebt und senkt, kann ein Handspiegel helfen. Atmet das Tier noch, dann beschlägt der Spiegel. Sollte keine Atmung erkennbar sein, muss der Ersthelfer nachschauen, ob die Atemwege eventuell durch Erbrochenes oder Blut verstopft sind. Ist dies der Fall muss der Rachenraum gesäubert werden. Atmet das Tier dann immer noch nicht, wird auch hier eine künstliche Beatmung notwendig. In diesem Fall muss der Helfer tief Luft holen, die Nase des Tieres mit den Lippen umfassen und dann kontrolliert ausamten, bis der Brustkorb sich hebt. Es ist von großer Bedeutung, dass das Maul des Tieres dabei verschlossen ist. Die Beatmung sollte pro Minute 6 Mal wiederholt werden.

4. Welche Maßnahmen sollten bei starken Blutungen ergriffen werden?

Bei hohem Blutverlust besteht immer Lebensgefahr. Ein Druckverband hilft hier, die Blutungen zu stillen. Dafür ist ein Päckchen Verbandmull notwendig, dass auf die Wunde gedrückt und mit einer elastischen Binde fixiert wird. Sind die Blutungen extrem stark, dann kann oft nur das Abbinden der betroffenen Extremität helfen, um den Blutfluss zu beenden. Dabei sollte beachtet werden, dass der Zufluss nie direkt über dem Gelenk abgeklemmt und der Stau immer in Abständen von etwa 20 Minuten kurzzeitig gelöst wird.

5. Die richtige Wundversorgung

Wunden bei Tieren können in der Regel nur richtig beurteilt werden, wenn das Fell um die Verletzung herum großzügig mit einer abgerundeten Schere weg geschnitten wird. Verschmutzungen durch Erde oder Speichel können mit dreiprozentigem Wasserstoffsuperoxyd ausgespült werden, was als Vorbeugung einer Tetanusinfektion dient. Mit einer fusselfreien Gaze muss die Verletzung dann trocken getupft werden. Um die Wunde zu schützen, sollte der Verband nicht zu fest gewickelt werden, er darf allerdings auch nicht verrutschen.

6. Die Erste-Hilfe-Box für Hund und Katze

Eine Erste-Hilfe-Box für Hund und Katze sollte in einem Tierhaushalt nicht fehlen. In der Box sollten unter anderen Hilfsmittel wie Decke (gegen Kälte), Schere mit abgerundeten Enden, Schere für Verbandsmaterial, Fieberthermometer, Pinzette, elastische Binden, Kälteakku, Heftpflaster, Mullbinden, Fixierbinden (möglichst selbstklebend), Elektrolyttabletten oder –pulver, Wasserstoffsuperoxyd (3 Prozent, zur Desinfektion) sowie sterile Flüssigkeiten (für Reinigung von Wunden) nicht fehlen.

7. Erste Hilfe bei anderen Notfällen

Natürlich kann Hunden und Katzen nicht nur bei einem Unfall etwas zustoßen. So können auch Vergiftungen, Verletzungen an einzelnen Körperteilen, Verbrennungen und Verätzungen sowie Hitzschlag auftreten und Erste Hilfe notwendig machen.

Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, ist der erste Weg immer der Gang zum Tierarzt, ebenso bei Verätzungen mit reizenden Stoffen.
Erleidet ein Tier einen Anfall oder einen Krampf, müssen Tierhalter unbedingt dafür Sorge tragen, dass sich Hund oder Katze nicht verletzen. Verbrennungen können etwa 10 Minuten mit kaltem Wasser gekühlt werden.
Auch Tiere können von Insektenstichen geplagt werden: Abhilfe schafft hier die Kühlung mit kalten Kompressen.

Besteht Verdacht auf Hitzschlag, muss sofort eine Abspülung des Tieres mit lauwarmen Wasser oder kühlen Umschlägen erfolgen, um seine Temperatur zu senken (weitere Informationen auch zu unserer Aktion „Hund im Backofen“)

Hunde- und Katzenbesitzer können alle wichtigen Maßnahmen bei Unfall, Verletzung und anderen möglichen Gefahren in einem Erste-Hilfe-Kurs lernen, den viele Tierärzte und medizinische Einrichtungen anbieten. Die Kontakte stellen die Landestierärztekammern bereit.

9 Gedanken zu “Erste Hilfe für Hund und Katze

  1. Pingback: 5 Tipps für den perfekten Tag am Strand mit deinem Hund | Blog von shelta – Online Tierheim

  2. Hallo Tasso – Team,

    sehr informativ. Eine kleine Anregung :

    Ich möchte so gerne einen Erste-Hilfe kurs für Hundehalter besuchen, um auch praktisches zu erlernen. Aber leider suche ich vergebens. Es wäre toll, wenn Ihr auf eurer Seite eine kleine Erste-Hilfe-Kurs Datenbank veröffentlichen könntet.

    • Hallo Carola,
      danke, das freut uns 🙂 So als kleiner Tipp: Unfalldienste, wie zum Beispiel die Johanniter oder ASB, bieten solche Kurse an. Auch werden in manchen Tierheime Kurse durchgeführt. Es lohnt sich bestimmt, einfach mal dort anzurufen und nachzufragen. Wir drücken die Daumen.
      Liebe Grüße
      Dein shelta-Team

    • Ich finde das Thema Erste Hilfe beim Haustier total interessant. Bei uns gibt es mittlerweile einige Hundehalter, die ihre Hunde vor lauter Angst vor Giftködern mit Maulkorb Gassi führen und nicht bedenken, dass z.B. über die Hälfte aller Vergiftungsvorfälle im Haushalt passieren…

      @Carola: Einen Erste Hilfe Kurs bietet der Tierrettungsdienst UNA an. Die sind bundesweit tätig und bei einer gewissen Anzahl an Teilnehmern kommen die auch direkt zum Hundeverein o.ä. Schau mal hier: http://www.tierrettungsdienst.eu/

  3. Kennnummer: 129.133 Kater Harry

    Ich glaube den Kater am 7.11. gegen 10.30 Uhr am Wendehammer der Strasse Im Lichtbühl in Rodgau-Dudenhofen gesehen zu haben.

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