Katze hat Krebs: Wieder. [Teil 3]

Katze hat Krebs - Lissy

Von Ola M., shelta-Team (20)

Wir dachten – wir hofften! – es sei überstanden, denn schließlich sind Operation, offene Wunden und Klammern knappe 6 Monate her, und Lissy war wieder ganz die Alte. Bis eines Abends das Déjà-vu:

„Schau mal. Fühlst du das?“

„Oh, eine – hmmm, ich glaube – das ist wieder eine Geschwulst. Sollten wir wieder checken lassen.“

Auch dieses Mal lagen mein Mann und ich mit den Katzen auf der Couch. Auch dieses Mal kraulte er Lissy den Bauch. Auch dieses Mal fand er das Geschwür. Auch dieses Mal eilten wir zum Tierarzt. Auch dieses Mal die Diagnose: Gesäuge-Tumor.

Was nun?

Unterschwellig wusste ich von Anfang an, dass der Krebs uns nicht in Ruhe lassen würde. Mir war irgendwie klar, dass er wiederkommt. Nach nur einem halben Jahr war da diese murmelgroße Geschwulst am Bauch direkt unter dem rechten Vorderbein. Die Tierärztin war nicht sicher, was wir machen sollten. Auf der einen Seite war Lissy alt und hatte bereits die erste OP nur schwer verkraftet. Die Wundheilung war problematisch, die Schmerzen groß. Auf der anderen Seite gleicht keine OP der anderen. Der Schnitt würde dieses Mal deutlich kleiner sein. Die Katze könnte so noch zwei oder drei Jahre Lebenszeit gewinnen.

Klar ist nur die Unklarheit

Ganz ehrlich: Ich war gegen eine zweite OP. Für mich überwogen die Risiken. Die schlechten Erfahrungen haben sich tief ins Gedächtnis gebrannt. Wenn sie die Wahl hätte, was würde Lissy wollen? Genauso klar wie für mich die Entscheidung gegen eine weitere OP, war für meinen Mann jedoch die Entscheidung für eine OP. Die hohen Behandlungskosten von 600 Euro beim ersten Mal waren nie Thema. Thema war ausschließlich das lebenswerte Leben der Katze auf lebenswerte Art zu verlängern. Mein Mann liebt unsere Katze. Es ist sein allererstes Haustier. Ich kann verstehen, dass der nahende Tod für ihn, der noch nie hat Abschied nehmen müssen, beängstigend wirkt. Ich stimmte einer erneuten  OP also zu.

Operation, die Zweite!

Wieder brachten wir Lissy zum Tierarzt. Wieder holten wir sie ab. Wieder schlief sie viele Stunden in Vollnarkose. Wieder wachte sie benommen auf, torkelte durch die Wohnung. Wieder Schmerzen. Wieder Lampenschirm. Nicht wieder: Wundheilungsprobleme. Dieses Mal verwuchs die Wunde schnell und unkompliziert zu.

Wieder Hoffnung.

Sie lebte glücklich und gesund bis…?

Lissy erholte sich etwas besser als nach der ersten Operation. Sie war wieder fit, erklomm den Kratzbaum und die Schränke, stand wieder mitten im Leben. An dieser Stelle könnte die Geschichte nun endlich enden.

Leider tut sie es nicht. Der Tumor kam wieder. Er ist da und wächst in Schüben. Mal schneller, mal Stillstand, aber er wächst. „Es tut mir leid, aber ich rate von einer weiteren Operation ab.“ Den Worten der Tierärztin folgte nun auch mein Mann. Gemeinsam entschieden wir, dass es unsere Pflicht ist, Lissys Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten. Und das tun wir mit täglicher Medikamentengabe, gegen eventuelle Schmerzen und ganz viel Fürsorge in Form von Streicheleien auf der Couch. Regelmäßig lassen wir sie untersuchen, um ihr Schlimmeres zu ersparen.

Momentan ist Lissy glücklich, zwar schon etwas dement, aber im Großen und Ganzen zufrieden. Nun bleibt uns nur noch eines: die letzten Tage, Wochen oder Monate genießen.

Zum Nachlesen:
Teil 1: Katze hat Krebs: OP, Chemo oder einschläfern lassen?
Teil 2: Katze hat Krebs: Mit einer OP ist es noch lange nicht getan

3 Gedanken zu “Katze hat Krebs: Wieder. [Teil 3]

  1. Was für eine Geschichte. Lissy hat das beste Zuhause, dass sie je hatte finden können. 3x die gleiche Diagnose, 2x OP. Viele hätten schon vor der ersten OP die Spritze gewählt. Ich ziehe den Hut vor den Besitzern und wünsche viel Kraft an dem Tag, an dem sie Lissy über die Regenbogenbrücke gehen lassen müssen.
    Wir hatten viel Glück. Unsere Hündin, Vita, hatte Krebs an ihrem Hinterbein. Es sah aus wie eine riesige Menge an Dornen, die dort wucherten. Der Krebs war bösartig, doch er hatte nicht gestreut. Nun läuft Vita auf 3 Beinen, aber sie ist wieder glücklich und schmerzfrei.

    Vor 5 Jahren mussten wir eine unserer Katzen mit stolzen 22 Jahren einschläfern lassen. Dement, Blind und Taub war sie. Buster hat es mir gesagt, als sie gehen wollte. Das Gefühl kam deutlich bei mir an und ich denke, dass Tiere ihren Besitzern sagen, wenn sie gehen möchten, wir es aber oftmals nicht richtig wahrnehmen können. Auch mein kleiner Robin, er war gerade mal 6 Monate alt, als er wegen trockener FIV gehen musste, sagte mir, dass er nicht mehr die Kraft hat weiter gegen die Krankheit anzukämpfen.

    Was ich damit sagen will, Eltern von Lissy, horcht genau was euch Lissy sagt. Vielleicht habt auch ihr das „Glück“, dass Lissy sich von euch verabschiedet und nicht nur ihr euch von Lissy.

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