Katze hat Krebs: OP, Chemo oder einschläfern lassen? [Teil 1]

Katze Lissy hat Krebs - TASSO shelta

Von Ola M., shelta-Team (18)

Schlussendlich hat sich herausgestellt, dass dies erst der Beginn einer langwierigen Odyssee sein sollte. Was zu Palliativmaßnahmen für meine Lissy führte, begann vor eineinhalb Jahren so:

„Schau mal. Fühlst du das?“
„Ne, was denn?“
„Na, das hier. Da unter der Haut.“
„Oh, eine – hmmm, ich glaube – das ist eine Geschwulst. Sollten wir mal checken lassen.“

Gemütlich lagen mein Mann und ich mit den Katzen auf der Couch und sahen fern, als er bei Lissy diese folgenreiche Entdeckung machte. Die tierärztliche Hiobsbotschaft: Krebs, genauer gesagt Gesäuge-Tumoren – etliche. Unwahrscheinlich, dass sie gutartig sind. Bei fast allen Katzen sind diese Tumoren bösartig. „Die Ärztin sagt, wir müssten so schnell wie möglich handeln. Morgen hat sie noch einen OP-Termin frei.“ Und noch während mein Mann das sagte, ahnte ich die schlimmen Folgen der nächsten eineinhalb Jahre bereits. Manche Dinge hat man halt im Gefühl.

Tausend Gedanken

Operation. Und was weiter? Hat der Krebs gestreut? Braucht sie eine Chemo? Sie ist schon so alt. Überlebt sie die Vollnarkose? Was, wenn sie nicht mehr zu retten ist? „Ganz ruhig“, sprach mein Mann. „Bevor sie schneidet, macht die Ärztin ein Röntgen der Lunge. Wenn der Tumor nicht dorthin gestreut hat, entfernt sie den am Gesäuge.“ „Und wenn er gestreut hat?“ „Dann können wir leider nichts mehr machen.“

Stille.

Leben oder sterben lassen?

Eine Chemotherapie kam von vorn herein nicht in Frage. Lissy ist zu alt. Diese Entscheidung hat uns die Ärztin schon mal abgenommen. Aber was ist, wenn sie auf dem Röntgenbild sieht, dass Lissy nur noch kurze Zeit zu leben hat und unter Schmerzen sterben wird?

„Soll Lissy aus der Narkose geholt werden? Oder sollen wir sie ganz einschlafen lassen – für immer“, warf ich in den Raum. „Nein! Lissy kommt erstmal wieder heim!“ „Und dann? Soll sie wegen ein paar Tagen zu Hause unter Schmerzen sterben? Verdammt unangenehm, so ein Krebstod. Menschliche Patienten bekommen Morphium, um das Unausweichliche auszuhalten.“ „Sobald sie Schmerzen hat, bringen wir sie zum Arzt.“ Mein Einwand, dass Katzen ihren Schmerz sehr gut geheim halten können, wurde weggenickt.

Zwischen Pest und Cholera

Welche Entscheidung ist egoistischer: Heim holen, um sich zu verabschieden? Schlafend sterben lassen, um ihr eventuelle weitere Schmerzen zu ersparen? Zu dieser Frage lassen sich ganze Bände füllen.

Die Operation und der Schmerz danach

Der Tumor hatte nicht in die Lunge gestreut, und Lissy kam auf den OP-Tisch. Das Ergebnis war eine etwa 10 cm lange Wunde mit mehreren Nähten. Nach der Vollnarkose war sie für ganze 10 Stunden außer Gefecht gesetzt. Als sie spätabends endlich aufwachte, torkelte sie benommen durch den Flur. Zum Klo? Nein, sie hatte sich bereits in ihrer Box erleichtert. Für Katzen eigentlich eine unzumutbare Situation. Zum Napf? Ja, aber der musste in dieser Nacht leider leer bleiben.

Zwar wurden uns Schmerzmittel für drei Tage mitgegeben, sobald die Tagesdosis jedoch nachgelassen hatte, wagte Lissy es nicht mehr, sich bequem hinzulegen. Sie flüchtete in ihre Transportbox setzte sich aufrecht hin – ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben. Kein schmerzerfülltes Miauen. Keine verzogene Miene. Ihr Schmerz war Privatsache. Das ging vier Tage so. Vier verdammt lange Tage. Haben wir richtig gehandelt?

Der Lampenschirm und die alte Socke

Nach dem Schmerz kam der Juckreiz und der Drang unserer Katze, an der Naht lecken zu wollen. Der verordnete Kragen kam fürs Erste jedoch nur kurz zum Einsatz. Er war zu schwer für unsere zierliche und sehr geschwächte Dame und zog ihren Kopf permanent nach unten. Zudem stieß sie ständig irgendwo dagegen. Ein ausgesonderter Babybody von Kind Nr. 2 war auch nicht von entsprechendem Nutzen. Grazil stieg sie einfach aus dem engen Kleidungsstück aus.

Ein Blick in die Weiten des Internets brachte einen Tipp hervor, den wir direkt ausprobierten. Wir schnitten also eine Socke am Zehenteil auf, schnitten zusätzliche zwei Löcher rein und zogen der Katze die Socke vorsichtig über den Körper, ihre Vorderbeine durch die Löcher. Auch das: nicht praktikabel – die ständige Reibung der engen Socke auf der Narbe war nicht zumutbar. Also, zurück zum Kragen, von uns liebevoll Lampenschirm genannt. Nach zwei Tagen hatte sie zum Glück den Dreh raus und steuerte gezielt durch die Wohnung.

Verflixt und zugenäht: Nähte ziehen

Nach über einer Woche war die Wunde so weit verheilt, dass wir die Nähte ziehen lassen konnten. Masche für Masche knipste die Tierärztin die Fäden auf und zog sie ab. Zwar war hier bereits erkennbar, dass die Wundheilung nicht ideal verlief, wir hatten jedoch Hoffnung, dass der Heilungsprozess im Großen und Ganzen dennoch weiterhin positiv verlaufen würde.

Aber da haben wir uns leider getäuscht. Bei älteren Tieren kann es zu Komplikationen kommen. Und das nicht zu wenig. Dazu bald mehr.

Teil 2: Katze hat Krebs: Mit einer OP ist es noch lange nicht getan
Teil 3: Katze hat Krebs: Wieder

11 Gedanken zu “Katze hat Krebs: OP, Chemo oder einschläfern lassen? [Teil 1]

  1. Die Entscheidung gegen die Chemo finde ich trotzallem gut. Wir haben das bei unserer Hündin mit unheilbarem Krebs auch nur die Op machen lassen. Sie bekam außerdem ein pflanzliches Mittel 8 Monate lang. Die Ärzte hatten ihr ursprünglich noch zwei Monate Lebenszeit gegeben. Inzwischen lebt sie schon zwei Jahre und ist krebsfrei. Ich lasse das alle drei Monate beim Tierarzt per Blutbild überprüfen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn es schwer fällt.

  2. Leider kenne ich das zu Gut. Nur war bei uns der Tumor schon zu gross und im Enddarm. Kurioserweise bei all meinen 3 Katzen. Bei Jerry, er war 20 Jahre alt, konnte noch 3 Wochen nach der Diagnose Leben, dann musste ich ihn einschläfern lassen. Seine Schwester auch 20 folgte 3 Monate später. Allerdings ging das Da noch schneller, 3 Tage nach der Diagnose, dann einschläfern. Bei Sammy, Er war 9 Jahre alt, war es dasselbe. Am schlimmsten ist es, dass man So hilflos ist, und sonst weiter nichts machen kann. Und jedesmal zerreißt es einem das Herz, wenn das Tier eingeschläfert wird.

  3. …alles Gute für deine Maus. Ich habe in den letzten eineinhalb Wochen das Gleiche mit meiner Bella(18,5) durchgemacht.
    Die Narkose hat nicht so lange gedauert …und der Kragen passte auch…ABER… der Kragen scheint Höchststrafe zu sein…due Niere spielen jetzt verrückt. Wir waren jeden Tag am Tropf…gefressen und getrunken wurde nur per „Spritze“ ins Maul… Bei ihr ist gleich die eine Michleiste entfernt worden… Das war und ist ein arger Stress für sie…
    Bella war ihr Leben lang gesund… Es war für mich keine Frage, dass ich ihr die Chance gegeben habe und sie päppele. Wenn ich was hatte, waren meine Katzen, sie hat noch einen Bruder, immer zur Stelle und wussten sofort ,wo es gut tat, wenn sie sich drauf legten.
    Bella war nie verschmust bisher. Ging immer nach dem Motto: Schmus mit mir…abrt pack mich blos nicht an…Jetzt genießt sie es sehr.
    Am besten wir drücken uns gegenseitig die Daumen, dass alles gut wird.

  4. Schrecklich sowas, ich hatte bei beiden Hunden mit dem Krebs zu kämpfen. Und immer die Frage ob man richtig gehandelt hat. Hinterher weiss man es immer besser. Aber kommt ein neues Tier steht man wieder vor der Frage………keiner kann da helfen. Viel Kraft wünsch ich Euch!!

    • Hallo Marion, das tut uns leid, dass auch Du diese Erfahrung gemacht hast. So eine Situation ist immer schwer und so unvorhersehbar. Danke für Deine lieben Worte und Dir alles Gute. LG, Dein shelta-Team

  5. Ein Albtraum sowas. Und es kann jeden treffen. Und dann heißt es: hoffen – beten – mitleiden…….
    …..bin mal gespannt wie es weitergeht.

  6. Wie traurig… Das treibt mir gleich die Tränen in die Augen und einen Kloß in den Hals. Wir haben drei Katzen, eine davon – unsere Prinzessin. Ich habe große Angst, dass sie irgendwann mal krank werden, noch sind sie alle jung. Ich bin gespannt wie es weiter geht…

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