Notfalltiere in der Vermittlung – „Es braucht Herz und Zeit“

Notfalltiere in Tierheimen - Kerstin Eller mit Hündin Greta

Interview mit Kerstin Eller vom Verein Freunde der Tiere über Notfalltiere

Für Notfalltiere ein Zuhause zu finden gestaltet sich häufig als schwierig. Während junge und unbeschwerte Tiere schneller zu vermitteln sind, werden ältere Tiere oder Vierbeiner mit Handicap oft übersehen, wenn Menschen auf der Suche nach einem tierischen Begleiter sind. Wir haben mit Kerstin Eller von Freude der Tiere e.V. gesprochen und sie gefragt, worauf es bei der Vermittlung von Notfalltieren ankommt.

Frau Eller, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Ihr Verein vermittelt ja in regelmäßigen Abständen sogenannte Notfalltiere. Warum?

Kerstin Eller: Ja, wir vermitteln ungefähr 70 Tiere im Jahr und darunter sind auch immer wieder Notfalltiere. Wir finden, dass sie ebenso wie die anderen Tiere eine Chance auf ein gutes Zuhause verdient haben und zum Glück haben wir ganz tolle Pflegestellen, die sich um sie kümmern bis es soweit ist.

Gibt es denn Unterschiede bei der Vermittlung?

Es dauert definitiv länger, wenn wir eine Familie für ein Notfalltier suchen. Aber das ist es wert, denn schließlich sollen Notfalltiere ein genauso schönes Zuhause erhalten wie die anderen. Die Einschränkungen, die sie haben, merken die Tiere ja häufig gar nicht. So etwas geschieht eher in den Köpfen der Menschen. Natürlich muss man bei Notfalltieren ganz besonders darauf achten, dass für sie alle Umstände im neuen Zuhause passen.

Was brauchen Notfalltiere denn mehr als andere?

In der Regel sind sie sehr anpassungsfähig, integrieren sich sehr gut und haben häufig das Glück, sehr engagierte Familien gefunden zu haben. Wenn Verhaltensauffälligkeiten vorhanden sind, sollten die Menschen natürlich bereit sein, daran arbeiten. Bei denjenigen die beispielsweise „nur“ eine kleine körperliche Beeinträchtigung haben, ist meist nicht mehr zu tun als bei anderen Tierschutzhunden. Manchmal brauchen sie eine Zeit lang etwas Physiotherapie, aber auch das kann ja bei einem „normalen“ Hund ebenfalls passieren. Wir vermitteln beispielsweise auch viele ältere Hunde, für die finden wir eigentlich immer ganz gute Plätze, weil sie meist total unkompliziert sind. Auch für Tiere mit Krankheiten, wie zum Beispiel Leishmaniose, können wir ganz gut eine Familie finden. Wir informieren dann natürlich frühzeitig und umfassend über die Krankheit. Eigentlich braucht es nur zwei Dinge, um einem Notfalltier ein schönes Zuhause zugeben: Herz und Zeit. Wir übernehmen es gerne, die Menschen zu finden, die beides haben und natürlich die übrigen Voraussetzungen für diese spezielle Tier erfüllen.

Erhalten Sie denn positive Rückmeldungen von den Adoptanten?

Ja, wir bekommen nach der Vermittlung häufig sehr schöne Rückmeldungen und werden über die Entwicklung der Tiere auf dem Laufenden gehalten. Das bestätigt uns natürlich. Und das brauchen wir auch, schließlich haben wir unsere Tiere ja auch sehr ins Herz geschlossen und wollen wissen, dass es ihnen gut geht.

Gibt es denn besonders schwere Fälle und welche sind das?

Ja, das kommt immer wieder vor. Das sind dann aber weniger die Tiere mit Handicap oder die älteren, sondern Vierbeiner, die wegen ihres Verhaltens als Notfalltier gelten. Wir haben beispielsweise gerade einen Foxhound-Mix in der Vermittlung. Dylan ist eine Seele von Hund, aber er folgt jeder Wild-Spur und kann noch nicht lange alleine bleiben. Er braucht also unbedingt Menschen, die damit umgehen können und ihm ein schönes Leben ermöglichen. Seit kurzem hat er eine Pflegestelle in der Stadt, da kommt er besser klar. Seitdem macht er auch große Fortschritte. Wir hoffen, dass er sich weiter gut entwickelt und bald sein Traumzuhause findet.

Wir drücken ihm und den anderen Notfalltieren auch ganz fest die Daumen. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Eller!

17 Gedanken zu “Notfalltiere in der Vermittlung – „Es braucht Herz und Zeit“

  1. Hallo,

    wir haben jetzt unseren vierten Hund. die letzten drei Hunde aus der Tierhilfe.Jede Hündin hatte etwas negatives durchgemacht. lange eingesperrt, ein Auge verloren, ausgestzt und Verletzungen davongetragen.
    Nun, mann braucht viel Einfühlungsvermögen und mann merkt schnell, was Ihnen Angst macht usw.Es braucht alles seine Zeit. Sie geben soviel zurück. Alles gute !

  2. Liebes Team. Vielen Dank für Eure so wertvolle Arbeit!
    Vor 8 Jahren durfte ich einen Notfall Yorkshire Terrier haben. Ich hatte ihn im Internet rein „zufällig“ bei einer Tierschutzorganisation gesehen und wusste sofort, wir beide gehören zusammen. Darauf hin habe ich ihn Wochen später in Spanien am Flughafen in Bilbao in Empfang nehmen können. Winzig war er, als ich ihn abholte, ganz strubbelig, schwächlich und, das allerwichtigste, ein mutiger kleiner Held. Nach einer OP, vielen Schmuseeinheiten, gutem Futter und liebevoller Pflege entwickelte er sich in den folgenden Monaten auch äußerlich zu einem wunderschön aussehener Hund.
    Er hatte sich umgehend eingelebt, verstand sofort, was ich sagte und lernte den Rest mit ein wenig Geduld super schnell. Gab es irgendwelche Probleme wurde ich oft gefragt. NEIN. Nicht ein einziges. Er war und ist mein kleiner Schatz. Fröhlich, freudig, herzig, gelehrig, gesund und hübsch. Ich bin ihm jeden Tag dankbar, dass er sich mich als Frauchen ausgesucht hat. Ja, denn das hat er. Ich bin mir total sicher, dass nicht wir unseren Hund, sondern die Hunde uns aussuchen. Ich habe großes Glück gehabt, dass er mich rief.
    Er ist übrigens nicht mein erster Hund aus dem Tierschutz. Mit all meinen Hunden habe ich nur Freude erlebt. Und kann daher die potentiellen Hundebesitzer nur immer wieder bitten, sich ihre vierbeinigen Wegbegleiter aus dem Tierschutz zu holen. Es gibt so viele Tiere, die auf Euch warten.
    Liebe Grüße an das TASSO Team. Danke, dass es Euch gibt
    Inca

  3. Ich finde es super das ihr hier auf Notfalltiere aufmerksam macht. Was aber völlig außer acht gelassen wird sind andere, ebenso schwer vermittelbare Tiere wie z B. Angsthunde.
    So wie meine kleine Maus die ich über den Tierschutz aus Russland adoptiert habe.
    Sie ist dort ausgesetzt worden und wurde von Tierschützern gerettet.

    • Ich habe auch so eine kleine Angsthündin aus Spanien. Sie hat vor allem Angst vor Menschen. Seit einem Jahr arbeiten wir mit viel Liebe und Geduld daran. Ich freue mich riesig über jeden winzigen Fortschritt.

      • Hallo Daniela,
        ich weiß nicht, ob du damit was anfangen kannst, aber dennoch schreibe ich dir dieses einfach mal.
        Lege deiner Hündin einen Zitrin (den Halbedelstein gibts in jedem Edelsteinladen zu kaufen) ins Trinkwasser – groß genug, dass sie ihn nicht aus Versehen wegschlabbert. Zitrin hilft, sich sicherer und geschützter zu fühlen . . . . . . Ich habe die Wirkung immer als unterstützend erfahren.
        LG Inca

  4. Seit 3Jahren lebt eine spanische Wasserhündin aus Spanien bei mir. Bei fremden Personen und Hunden ist sie sofort auf Angriff aber hat sie jemanden akzeptiert , tut sie alles für ihn.
    Ja es lohnt sich die Zeit und Liebe, aber man muss wissen, es geht nur in „Millimeter Schritten“.

  5. Danke an Tasso für den unermüdlichen Einsatz für unsere Mitgeschöpfe.
    Am 19.August musste ich meinen Webster erlösen, bin darüber sehr traurig, obwohl mein West Highland White Terrier 14 Jahre alt war, das ohnmächtige Gefühl ihm nicht mehr helfen zu können, hat mich völlig niedergedrückt. Denn trotz Tumor und Lungenfibrose hatten wir noch schöne 3 Jahre.
    Nun meine Frage, hätte ich noch eine Chance, einen Hund übernehmen zu können, denn im Oktober werde ich 80 Jahre. Ohne Hund hier allein im Haus, das ist schwer auszuhalten.

    • Hallo Irmlind, das tut uns schrecklich leid, dass Webster nicht mehr bei Dir ist. Wir wünschen Dir viel Kraft in dieser schweren Zeit. Ob ein neuer Vierbeiner bei Dir einziehen kann, dass ist eine Entscheidung des Tierheims bzw. der Tierschutzorganisation. Am besten kontaktierst Du das Tierheim, aus dem Du Deinen neuen tierischen Freund adoptieren möchtest und besprichst mit ihnen direkt, was möglich ist. Wir wünschen Dir alles Gute. LG, Dein shelta-Team

      • Hallo Irmhild!
        Ich finde, es kommt auch darauf an, wie sie sich selbst fühlen und wie gut sie „zu Fuss“ sind und nicht unbedingt auf ihr Alter.
        Ich kenne viele jüngere Leute, die sich nur so lala um ihre Hunde kümmern, also kommt es doch eher darauf an, wie sehr sich jemand kümmern MÖCHTE. Ein gutes Zuhause können Sie einem Hund sicher geben! Und wenn es wirklich mal irgendwann so sein sollte, dass das Laufen schwieriger wird, es gibt schließlich auch Menschen, die gern mal mit einem fremden Hund gehen. Hier im Ort kenne ich schon drei, die ihren Hund ausführen lassen. Eine Person macht es einfach aus Spaß, die anderen bekommen 5,- Taschengeld pro mindestens halber Stunde richtig spazieren gehen. Es gibt fast immer eine Lösung. Ich empfehle allerdings, keinen Hund unter zwei Jahren zu nehmen, die sind nicht mehr so wild.
        Liebe Grüße Antje S.

  6. ich habe grosse Hochachtung vor Menschen, die sich eines Notfalls bewusst annehmen. Bei mir haben sich Notfälle im Lauf der Zeit entwickelt. Man lebt jede Sekunde bewusst mit dem Tier und es ist einem wichtiger als die Menschen um einen herum, denn der Freund mit vier Pfoten kann sich ja nicht allein helfen. Man möchte jede Sekunde bewusst mit ihm verbringen, denn man hat im Hinterkopf, dass es ganz schnell vorbei sein kann. Der Umgang mit Notfällen bringt einen als Menschen weiter. Ich bin dankbar für diese Erfahrung. Ich persönlich mag keine Menschen mehr, die keine Tiere mögen.

    • Höllisch Notfälle haben auch ein recht auf Zuneigung und Liebe ich habe trotzdem ich schon 2. Hunde habe einen Grössen Labrador 10 Jahre alt aufgenommen von meinem ex bekannten er Wolte ihn ins Tierheim stecken des zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen .

  7. Ich finde gut, dass auch für diese Tiere ein zu Hause gesuchg wird. Wir selbst haben einen verhaltensauffälligen Hund zu unserem dazugenommen. Es war schon ein harter Weg aber weggeben war keine Option. Wenn mann das Ergebnis ketzt sieht, freut das einen doppelt. (wir haben shiba inus)

    • Hallo Eveline, es ist manchmal bestimmt nicht einfach mit einem „Notfellchen“. Es ist wirklich toll, dass Du Dich bewusst dafür entschieden hast und dem Vierbeiner ein schönes Zuhause gegeben hast. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute. LG, Dein shelta-Team

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