Vom Streichen zum Schrubben – Wie Miss Dotty das Zähneputzen lernt

Von Lisa F., shelta-Team (10)

Hund Dotty beim ZähneputzenDotty ist ein Kuschelhund. Draußen die große Abenteurerin, drinnen möchte sie am liebsten dauerhaften Körperkontakt zu ihrem Menschen, also zu mir. So sehr ich manchmal auch darüber stöhne – wenn sie mal wieder in einer unmöglichen Position quer über meinen Beinen liegt und meine Bewegungsfreiheit einschränkt – so sehr würde ich es gleichzeitig vermissen, wenn es anders wäre. Insofern beruht diese Nähe durchaus auf Gegenseitigkeit. Umso mehr fällt es dann aber auf, wenn Madame (Ihr erinnert Euch, draußen ist sie ganz die Abenteurerin) sich dann mal gewälzt hat oder irgendetwas aus Menschensicht eher Unappetitliches verspeist hat. Zum Glück sind das nur Einzelfälle. In der Regel ist der Atem der kleinen Hundedame ganz erträglich. Damit das auch langfristig so bleibt und vor allem ihrer Gesundheit zu liebe, habe ich mich als verantwortungsbewusstes Frauchen mal mit der Frage auseinander gesetzt, wie wir die Zähnchen der Kleinen möglichst bis ins hohe Alter gesund halten und ihr professionelle Zahnreinigungen und die damit verbundene Narkose ersparen.

Die richtige Fütterung, Kauartikel und dergleichen will ich hier nicht thematisieren, stattdessen möchte ich Euch erzählen, wie seit einigen Wochen allabendlich im Hause der Familie F. das Zähneputzen trainiert wird. Die Eltern unter Euch kennen das Problem: Was vernünftig ist, macht den Kinderchen nicht unbedingt Spaß. Warum sollte das bei unseren „Hundekindern“ also sein. Zumal hier auch die vernünftigsten Erklärungen in jedem Fall auf taube Ohren stoßen.

Fleischzahnpasta für das Raubtier

Vorab: Miss Dotty ist eine bald vierjährige Tierschutzhündin, die zwar nicht auf der Straße, aber doch die ersten drei Jahre ihre Lebens ohne eine richtige Familie und Fürsorge gelebt hat. Deswegen sind die Beißerchen der Kleinen auch nicht so tadellos wie die anderer Vierbeiner, die ihr Leben lang Pflege erfahren haben. Laut Tierarzt besteht natürlich noch kein Grund zur Sorge, und um diesen Zustand so lange wie möglich zu erhalten, wird nun fleißig geputzt.

Vorher habe mich natürlich umfassend informiert. Ist das wirklich notwendig? Welche Alternativen gibt es? Welches Zubehör brauche ich? Wie geht man das am besten an? Nun haben wir einen Putzaufsatz für den Finger aus weichem Plastik und eine spezielle Hundezahnpasta. Ich muss zugeben, ich war nicht so begeistert davon, meinem kleinen Raubtier die Zähne mit etwas zu putzen, dass nach Minze oder Teebaumöl schmeckt (das sind die häufigste Geschmacksrichtungen), daher habe ich extra eine Zahnpasta mit Fleischgeschmack besorgt. Sieht aus wie normale Zahnpasta, scheint aber ganz lecker zu sein. Dotty schleckt das gerne ab. Ich hab‘s nicht probiert. Aber, soviel vorab, die Eigenschaften sind der handelsüblichen Menschenzahnpasta nicht unähnlich – versehentlich entstandene Flecken sind schwer zu entfernen. Es ist also durchaus ratsam, nicht unbedingt das Sofa als Ort des Geschehens zu wählen. Für uns kommt dieser Rat zu spät.

„Hilfe, Frauchen spinnt total“

Anfangs habe ich Dotty daran gewöhnt, dass ich mit meinem Finger in ihren Mund gehe. Auch die Zähne durfte ich mir immer wieder mal kurz angucken. Für meine kleine Raupe Nimmersatt war es natürlich total super, dass jeder Schritt mit einer Belohnung verbunden war. Ich vermute trotzdem, dass sie sich sicher war: „Jetzt spinnt Frauchen total.“ Ich ignorierte den skeptischen Blick meiner kleinen Begleiterin und fuhr unbeirrt mit meinem Finger über ihre äußere Zahnreihe. Später kam Zahnpasta auf den Finger. Weil sie sehr stark auf meine Stimmung reagiert, mache ich das immer ganz entspannt und sanft und rede ihr gut zu. Ich glaube, das wirkt. Hund Dotty beim Zähneputzen 2Allerdings meine ich auch schon mal gesehen zu haben, wie Dotty heimlich genervt mit den Augen rollt. Ich sehe darüber hinweg. Ganz die Hundemama. Manchmal muss man auch konsequent sein. Eines Tages wirst du mir das noch danken!

Langsam haben wir uns vorgearbeitet, so dass ich schließlich auch mit dem Plastikfingerding in Dotty Mäulchen darf. Gar nicht so einfach bei so einem Miniatur-Jagdhund. Jeden Abend wird geübt, nur kurz natürlich, und danach gibt’s was Tolles. Ein gemeinsames Spiel zum Beispiel. Hat zur Folge, dass die Kleine, die das Zähneputzen an sich nicht so toll findet, dennoch jeden Abend freudig wedelnd vor mir steht, wenn ich mir der Zahnpastatube komme. Ha – doch nicht so verrückt, das Frauchen.

 

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Unsere Baustelle sind derzeit noch die Innenseiten der Zähne. Denn dafür muss der Mund geöffnet werden. Und das findet Dotty, die trotz ihrer Anhänglichkeit mir gegenüber nicht gerne in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, doof. Ich verstehe sie da total, beschwere ich mich doch selbst, wenn sie meine Bewegungsfreiheit einschränkt. Deswegen gehen wir hier klitzekleine Schritte, denn schließlich will ich auf keinen Fall, dass sie das Zähneputzen wirklich doof findet und es für sie eine Qual wird. Folglich sind wir noch weit davon entfernt, dass die „Bürste“ die Zahninnenseite wirklich putzt. Aber ich denke mir, das ist immer noch besser ist als nichts zu tun, und wenn dieses langsame Training ihr langfristig den ein oder anderen Tierarztbesuch und vor allem das Risiko einer Narkose erspart, haben wir schon was gewonnen. Abgesehen davon genießt Dotty, die nie genug kriegen kann, die zusätzliche Aufmerksamkeit und Fürsorge. Und da meine Nähe für sie das Wichtigste ist, erträgt sie auch die verrücktesten Ideen, ohne sich zu beschweren. Ich gebe zu, das ist ein großer Vorteil. Mein Begleiter in Jugendtagen, ein gemütlicher, aber dickköpfiger Ridgeback-Rüde hätte mir wohl einen Vogel gezeigt, sich umgedreht und einfach den Mund zugelassen, wenn ich ihm mit einer solchen Idee gekommen wäre. Zum Glück gehörte er zu dem kleinen Prozentsatz der Hunde, die auch im hohen Alter noch Top-Zähne haben.

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