American-Staffordshire-Terrier-Mix Toki: Neues Zuhause mit Auflagen

von Melissa Sch., TASSO-Team

Toki ist ein American-Staffordshire-Terrier-Mix und gehört zu den sogenannten Listen- bzw. Kampfhunden, deren Haltung in vielen Bundesländern mit einigen Auflagen verbunden ist. Das ist auch ein Grund, warum diese Hunde im Tierheim oft länger warten müssen, bis sie eine Familie finden. Unsere Kollegin Melissa lässt sich davon nicht abschrecken: Sie hat bereits Erfahrung mit der Haltung von Listenhunden. Da war es keine Frage, dass auch Toki bei ihr ein neues Zuhause finden würde und bei TASSO als Büroschnauze einen neuen Job.

Wie die Adoption abgelaufen ist und welche Auflagen vor der Adoption erfüllt werden müssen, dass erzählt sie uns in ihrem Happy End:

Wir haben Toki im März 2021 auf der Internetseite des Tierheims Hanau entdeckt. Er war gerade erst ein paar Tage dort. Ich habe dann am Abend noch eine E-Mail mit dem ausgefüllten Interessentenbogen abgeschickt und wurde gleich am nächsten Tag zurückgerufen und über Filou (so hieß Toki noch) umfangreich aufgeklärt. Wir vereinbarten einen Kennenlerntermin für den nächsten Tag. In den folgenden Wochen habe ich Toki mehrmals besucht. Dann war es soweit: Es fand die Vorkontrolle in unserem Zuhause statt, bei der Toki auch dabei war.

Das Tierheim hat sich während des gesamten Vermittlungsablaufes sehr viel Zeit für Aufklärung und Besuchstermine genommen, sodass Hund und wir, als neue Halter, die Möglichkeit hatten, sich richtig kennenzulernen.

Gab es Hindernisse bzw. Auflagen bei der Adoption?

Es gab keine Hindernisse, aber einige Auflagen, die erfüllt werden mussten.

Vor der Adoption habe ich mich erstmal mit unserer Ordnungsbehörde in Verbindung gesetzt und alles abgeklärt. Denn jedes Bundesland, aber auch jede Stadt/Gemeinde handhabt die Auflagen anders. Bei offenen Fragen kann man sich aber auch an das zuständige Regierungspräsidium wenden.

Als erstes stellt man (in Hessen) bei der zuständigen Ordnungsbehörde einen „Antrag für die Erlaubnis zur Haltung eines gefährlichen Hundes“. Hier werden unter anderem persönliche Daten, Angaben zum Hund und ein berechtigtes Interesse für die Haltung abgefragt. Als Anlage müssen dann noch nachfolgende Dokumente beigelegt werden:

  • Führungszeugnis (nicht älter als sechs Monate)
  • Sachkundenachweis (Theorie und Praxis)
  • positive Wesensprüfung
  • Chipnummer
  • Nachweis der fristgerechten Zahlung fällig gewordener Hundesteuer
  • Nachweis über eine abgeschlossene Haftpflichtversicherung mit vorgeschriebener Deckungssumme
  • Farbfotos des Hundes (entsprechend der Vorgabe der jeweiligen Ordnungsbehörde!)

Wenn der Antrag zum ersten Mal gestellt wird, erhält man eine „vorläufige Haltergenehmigung“. Den Nachweis über die Sachkunde, Wesensprüfung und Zahlung der Hundesteuer müssen dann innerhalb der vorgegebenen Frist, spätestens jedoch bis zum Antrag der „befristeten Haltergenehmigung“ erbracht werden.

Die Sachkunde und Wesensprüfung müssen bei einem gelisteten Sachverständigen gemäß der hessischen HundeVO durchgeführt werden. Der Sachkundenachweis beispielsweise ist nur gültig für den Hund, mit dem der Halter die Prüfung abgelegt hat und behält bis zum Tod des Hundes seine Gültigkeit. Der Wesenstest muss regelmäßig, gemäß der Vorgaben der zuständigen Ordnungsbehörde, wiederholt und die Haltergenehmigung vor Ablauf der Gültigkeit verlängert werden.

Listenhund Toki tobt beim Spazierengehen. (c) Melissa-SchmidtListenhund Toki tobt im Wasser. (c)Melissa-Schmidt

Was ist Tokis Vorgeschichte?

Über seine Vorgeschichte ist leider nicht viel bekannt. Er stammt aus illegaler Haltung und hatte nicht einmal einen EU-Ausweis, geschweige denn einen Chip. Das hat alles das Tierheim übernommen. Auch bei dem Grundgehorsam mussten wir bei null anfangen. Bei unserem zweiten Besuch im Tierheim hat er mir erstmal meine Jutetasche mit den Leckerlies „zerfleddert“ und bei der Vorkontrolle eine Vase umgerannt. Er hat sich also von seiner besten Seite gezeigt.

Wie geht es euch jetzt zusammen im Alltag?

Hunde sind ja im Allgemeinen sehr anpassungsfähig, aber bei Toki ist diese Eigenschaft besonders ausgeprägt. Am ersten Abend wollte er am Gartenzaun gleich schon den ersten vorbeilaufenden Hund verbellen, hat aber nach Korrektur sofort akzeptiert, dass das bei uns nicht gewünscht ist. Nach diesem Erlebnis ist er stets an meiner Seite und will alles richtig machen. Wir haben von Anfang an mit dem Training begonnen und er hat auch richtig Spaß an der Kopfarbeit. In unserer Freizeit gehen wir gemeinsam schwimmen oder joggen.

Kannst du die Vorurteile bzw. Ängste der Menschen gegenüber solchen Hunden nachvollziehen?

Ich persönlich habe das Gefühl, dass die Menschen entweder Angst haben oder ganz offen sind. Primär sind die Menschen aber sehr interessiert und suchen das Gespräch, wenn sie uns sehen.

Ich verstehe die Sorgen und Ängste der Menschen. Oftmals höre ich den Begriff „Kampfschmuser“, aber so ein Hund bedeutet viel Verantwortung und Arbeit. Vor allem bei Tierschutzhunden, von denen so gut wie nichts über die Vergangenheit bekannt ist. Das zählt aber für alle Hunderassen mit viel Kraft und einem kräftigen Gebiss. So lange der Halter verantwortungsvoll mit seinem Hund umgeht, ist die Angst jedoch unbegründet. Mir persönlich ist es sehr wichtig den Menschen, denen wir begegnen, Sicherheit zu vermitteln. Daher bin ich immer froh, wenn wir angesprochen werden und Fragen beantworten können.

Erzähle uns doch etwas über Tokis Charakter.

Toki ist ein Hund, der sich ohne Grenzen, Struktur und Führung auf einem zu hohen Energielevel bewegen würde. Dementsprechend wäre er nichts für Menschen ohne Erfahrung.

Wie oben schon erwähnt, ist Toki extrem anpassungsfähig, aber auch total sensibel. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein sehr dominanter Hund. Gerade bei Hundebegegnungen ist er sehr selbstbewusst und auch viel zu stürmisch. Akzeptiert jedoch (je nach Charakter seines Gegenübers) Korrekturen von Artgenossen. Er würde aber auch keiner Konfrontation aus dem Weg gehen. Daher ist er im Freilauf der Hundeschule immer mit Maulkorb abgesichert.

Im Großen und Ganzen ist Toki ein sehr liebenswerter Vierbeiner und total verschmust. Er akzeptiert Grenzen und braucht diese auch. Er ist ein sehr sportlicher Hund, geistige Auslastung ist aber ebenso wichtig. An Tagen ohne viel Action ist er trotzdem sehr ausgeglichen und genießt es auch einfach zu entspannen.

Toki lebt mit unserem Senior-Chihuahua Ray zusammen, den er sogar als Ranghöheren akzeptiert. Vor einiger Zeit hat er meine Nichte (5) und meinen Neffen (10) kennengelernt. Er ist super vorsichtig mit Kindern, auch im Spiel. Er hat sich von Anfang an super in die Familie integriert.

13 Gedanken zu “American-Staffordshire-Terrier-Mix Toki: Neues Zuhause mit Auflagen

  1. Klingt so, als wäre Toki ein Mitarbeiter, von der Beschreibung her wahrscheinlich ein vorderer Kundschafter…da braucht er eine Führung und Grenzen, damit er sich nicht hochschaukelt und ständig jeden „zünden“, also motivieren will, mit ihm loszurennen und etwas zu jagen, zu erforschen, zu erleben und und und…Es ist daher absolut richtig, ihm auch Entspannung anzubieten und seine Energie durch Kopfarbeit zu kanalisieren und ihn nicht hochzupuschen, indem man noch mehr eigene Energie reinsteckt. Euer Ray dürfte dann ein Leithund sein, der natürliche Führungsstärke, Ruhe und Kompetenz ausstrahlt – und damit von Toki als Leitfigur akzeptiert wird, obgleich er viel kleiner ist. Da ich selbst auch ein Mitarbeiter bin, der extrovertiert ist und ein hohes Energieniveau besitzt, ist es gut, daß unser Beagle Max ein hinterer Leithund ist, der mich erdet und zurückhält ;o).Mit einem Mitarbeiter an meiner Seite würde es nicht funktionieren, da wir uns – wie oben beschrieben – gegenseitig hochpuschen würden und wie zwei Flummis auf Speed durch die Gegend rennen würden. Für Max fungiere ich als sein vorderer, da extrovertierter Wächter, den er auch schon mal mit einem Blick losschickt, um Aufgaben zu erledigen…so ist das Leben mit einem Leithund eben :o). Viel Spaß mit dem Racker.

  2. Ich habe vor 9 J. auch eine Sachkundeprüfung gemacht. Mir (in Niedersachsen) wurde damals gesagt, dass diese personen- nicht hundebezogen ist. Ich hätte sie auch mit einem Nachbarshund ablegen können.

    Und: wie schön, dass ihr und Toki euch gefunden habt 🙂

  3. Moin, Danke… Einfach wunderbar, denn kein Hund wird böse oder bissig geboren. Es ist immer eine Sache der Haltung. Im übrigen führt immer noch der Dt. Schäferhund die Liste der Beissvorfälle an. Die Bennung Listenhunde gehört abgeschafft, dich die Angst wird das leider verhindern. Ich bin für einen Hundeführerschein, dann ist wenigsten halbwegs eine artgerechte Haltung und Führung gewährleistet. Schließlich muss jeder Angler einen Schein nachweisen, doch jeder kann sich einfach einen Hund anschaffen, siehe die jetzige Tierheim Situation. Deshalb großer Respekt für Ihre Entscheidung.

  4. Na, solange es gut funktioniert.
    Ich persönlich würde mir so einen Hund nie zulegen, könnte nicht mit der ständigen Angst leben, dass der Hund, weshalb und in welcher Situation auch immer, doch einmal die KONTROLLE über sich VERLIERT.
    Diese Rassen sind und bleiben KAMPF HUNDE.
    Dennoch viel Spaß zusammen.

    • Seit April 2021 habe ich selbst eine Pitbull-Mix-Hündin aus dem Tierheim bei mir. Es ist genauso wie sie schreiben. Man muss als Halter verantwortungsbewusst handeln! Auch meine Hündin wird im Freilauf über einen gut sitzenden Maulkorb abgesichert. Wir trainieren viel und sie akzeptiert Grenzen. Man muss aber immer nett sein, weil sie wirklich ein Sensibelchen ist und schnell ängstlich und unsicher wird.
      Ich wünsche ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Toki! Viele Grüße Grit Lippmann

    • Lieber M. BANBERT!

      …..und wie man an den Statistiken sieht, verlieren ja immer nur dir „Kampfhunde“ die Kontrolle und beißen???? So ein Quatsch!
      Ein Hund ist ein Lebewesen und keine Maschine, d.h. mit deiner Risiko Bewertung darfst du dir keinesfalls irgendeinen Hund anschaffen!
      Und es sind auch keine KAMPFHUNDE, sondern LISTENHUND ….und diese Liste ist völlig sinnfrei zusammen gestellt und in jedem Land und selbst in jedem Bundesland anders!

  5. Staffies gehören in England zu den beliebtesten Hunden überhaupt. Sie gelten als liebenswert und unkompliziert. Schade, dass in Deutschland der Ruf von verantwortungslosen Haltern so beschädigt wurde. Ich finde Ihre Geschichte herzerwärmend und wünsche Ihnen und der ganzen Familie alles Liebe und Gute. Viele Grüße aus Köln Gabriele Sobeck

  6. Meine Freude und meinen Dank möchte ich darüber mitteilen, liebe Frau Melissa Sch., welchen Mut, Klarheit und auch Liebe Sie haben, um dem Hund ein Zushause zu geben. Und ich verstehe sehr gut, dass es nur gelingen kann, wenn ich als Mensch es mir zutraue, ich bin sicher, das ein Hund das spürt und sich dann auch sicher mit seinem Menschen fühlt, herzlich, Jutta Bolg

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