Hund adoptieren während Corona-Pandemie

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Von Silvia, TASSO-Team

Unser neues Familienmitglied Basti kam im Alter von neun Monaten zu uns. In den ersten Monaten seines Lebens hatte er wahrscheinlich keine schönen Erfahrungen machen dürfen, wie wir aus Erzählungen erfahren haben. Unser junger, verspielter, quirliger und ungestümer Herzensbub durfte erst im fortgeschrittenen Welpenalter eine Sozialisierung durch eine Pflegestelle kennenlernen. Dort lebten weitere Hunde und andere Tiere sowie Kinder, die ihm unter anderem durch viele Streicheleinheiten die wichtigsten Dinge beibrachten. Mit viel Liebe und Geduld wurde er an das Halsband und an eine Leine gewöhnt. Er wurde stubenrein und bekam seinen offiziellen Namen. Dass er auf diesen Namen reagieren und hören soll – nun ja, wenn man viele Flausen im Kopf hat, gar nicht so einfach. Aber mit positiven Belohnungen sowie intensivem Streicheln hatten die Pfleger zumindest eine Vertrauensbasis und Grundvoraussetzungen geschaffen. Wir hatten schon immer Hunde, aber meist bereits im jungen Welpenalter oder aber deutlich älter. Aber einen fast pubertierenden Hund zu übernehmen, das wird eine große Herausforderung.

Vor dem zweiten Lockdown, hatten wir uns bereits entschieden einen neuen Vierbeiner aufzunehmen, nachdem unser geliebter Chico verstorben war.

Vorbereitungen auf das neue tierische Familienmitglied

Bevor Basti ankam, haben wir uns informiert: Auch wenn Basti ein Mischlingsrüde ist, schauten wir uns die Wesensbilder der enthaltenen Rassen an. Wir informierten uns über entsprechende Erziehungsmethoden und suchten für den „Notfall“ schon mal Hundetrainer bzw. -schulen in der Umgebung heraus. Noch war ja alles geöffnet und man dachte gar nicht an einen weiteren Lockdown.

Training, Geduld und viel Liebe

Der erste holprige Moment kam recht schnell: Treppensteigen kannte der junge Basti gar nicht. Aber auch hier wusste erst mal der Ratgeber Bescheid: Schritt für Schritt mit viel Zeit, Geduld und tollen Leckerlies. Viele Kleinigkeiten haben wir erst einmal aus unseren Erfahrungen heraus gehandhabt. In erster Linie war es wichtig, dass unser Basti ein gutes Vertrauensverhältnis entwickelt, ohne Angst und mit viel Liebe. Auch haben wir uns zur weiteren Sozialisierung sowie für die Basiskommandos in der Hundeschule angemeldet. Durch bereits gut erzogene Mitfelltiere fiel es Basti leichter, sich zu orientieren und wir bekamen von den Trainern gute Tipps und Ratschläge. Auch den Austausch in der Gruppe nahmen wir gerne an.

Corona-Lockdown = geschlossene Hundeschulen

Bis dann der zweite Lockdown kam und unsere Hundeschule den Betrieb einstellte. Dass sich der Lockdown so lange hinzieht, konnte keiner erahnen. Wir haben zwar auch geübt, aber irgendwann war die Begeisterung bei Basti nicht mehr da. Klar, er konnte ja auch bei keinem Hundekumpel spicken.

Die Leinenführung lief am Anfang auch recht gut, aber dann kam im Lockdown auch noch die Pubertät dazu. Er war mutig und testete uns aus. Mit viel Geduld und Konsequenz konnten wir uns durchsetzen. Dann entdeckten wir seinen enormen Herden-/Jagdtrieb, bei dem wir aber selbst nicht genau wussten, was nun die richtige Methode ist.

Es gab auch kein Feedback, ob wir das so alles richtig machen. Das sind manchmal nur Nuancen, die einen Erfolg einstellen oder eben nicht. So konnten wir ihn nicht frei laufen lassen bzw. mit anderen Hunden so weit toben zu lassen, wie es für ihn toll gewesen wäre. Also blieb erst einmal der eigene Garten und Frisbees bzw. Bällchen als Mittel der Wahl zum leinenfreien Austoben.

Und so hat Tierschutzhund Basti sein neues Zuhause gefunden: Hund Basti 

Die Online-Hundetrainings kamen für uns nicht in Frage, denn Theorie und Praxis sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Und ein Online-Training draußen zu filmen?! Corona-bedingt verzichteten wir darauf, da eine „fremde“ Person zum Beobachten und Korrigieren hätte dabei sein müssen. Wenn wir zu zweit aus einem Haushalt gefilmt hätten, hätte unser Hund immer auf seine bekannten Herrchen und Frauchen geachtet.

Beim Spazierengehen war viel mehr los als sonst. In diesen Zeiten bleibt ja nicht mehr viel als die Abwechslung bei der Gassirunde. Ein freies Laufen bzw. Rückruf-Training ohne Ablenkung war einfach nicht möglich. Mit der Zeit begannen wir das Schleppleinentraining. Aber für einen Lerneffekt ist die perfekte Handhabung wichtig. Wir fanden in unserer Nähe eine Hundetrainerin, die Corona-konform auf einem Outdoor-Gelände in sehr kleinen Gruppen-Übungsstunden anbot.

Hier gab es den entscheidenden Tipp des Profis. Basti hatte sich zu sehr an das Kommando-Rufwort gewöhnt und war nicht abrufbar. Er konnte es nicht mehr neu verknüpfen. Wir haben nun ein anderes, völlig neues Wort genommen und es nach der Profi-Anleitung angelernt. Also auch ein junger Hund kann lernen. Man braucht nur Geduld! Auch mit viel Erfahrung mussten wir einiges dazulernen, denn nicht jeder Hund ist gleich und ein Hunde-Trainer als neutraler Beobachter ist eine gute Wahl. Zudem hat Basti die Gesellschaft von weiteren tierischen Spielkameraden. Ohne Leine mit jungen Hundekumpels und Kumpelinen herumflitzen, ein wahrer Hundetraum.

So wie wir uns im Berufsleben an eine neue Arbeit gewöhnen müssen, so ist auch eine Hunde-Adoption in Corona-Zeiten anders. Was jedoch nicht vergessen werden darf: Durch Corona haben wir als Hundehalter viel mehr Zeit und sind für den Hund dauerpräsent. Er muss aber auch lernen, dass wir nicht rund um die Uhr mit ihm spielen oder ihn „bespaßen“ können. Feste Zeiten, auch die Körbchenzeit, haben wir eingeführt. Natürlich machen wir auch Kuschelausnahmen.

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