Aufwachsen mit Hund

Aufwachsen mit Hund_Basco mit seinem Frauchen Lisa auf dem Hundeplatz

Hund Basco mit Frauchen auf dem Hundeplatz.

Von Lisa F., shelta-Team

Der beste Freund in meinen Jugendtagen hatte vier Beine und Fell. Die Aussage, dass es für Kinder wertvoll ist, mit Tieren aufzuwachsen kann ich daher nur bestätigen. Unser tierischer Begleiter ist eingezogen als ich 9 Jahre alt war. Somit sind wir beide wirklich zusammen groß geworden. Für mich war das eine ganz tolle Erfahrung, denn ich war gerade alt genug, um mich aktiv einbringen zu können. So verbrachten mein Vater und ich viele Stunden am Wochenende auf dem Hundeplatz, denn es war uns wichtig, dass auch ich den Hund sicher führen kann. Schließlich sollte er mit seinen 63 Zentimetern Schulterhöhe und seinen 43 Kilo nicht gerade klein bleiben.

Zum Glück hat er es mir leicht gemacht. Ja, er hatte einen Sturkopf und orientierte sich leider manchmal mehr an seiner Nase als an mir. Wenn er mit dem beschnupperten Grasbüschel fertig war, kam er dann auch brav auf meinen Ruf hin zu mir getrottet. Nur kein Stress. Er war der gutmütigste und freundlichste Hund, den ich bis heute kennengelernt habe. Andere Menschen waren ihm eigentlich egal. Er ließ sich gerne streicheln, ohne das jedoch einzufordern, wie ich das von meiner jetzigen Hündin kenne. Dass seine Rasse eigentlich zum Jagen gezüchtet worden ist, hat er beim Lesen der Rassebeschreibung glücklicherweise übersehen. Zu anderen Hunden war er freundlich, sogar wenn sie ihm nicht wohlgesonnen waren. Dann ging mein tierischer Freund „schulterzuckend“ weg.

Wegen seines gelassenen Gemüts und meiner frühen Standhaftigkeit waren wir beide viel alleine miteinander unterwegs. Wir sind zusammen Schlitten gefahren, waren Inlineskaten, Joggen, mit dem Fahrrad unterwegs und bei all meinen Freunden zu Besuch, wo er sich immer vorbildlich benommen hat. Als wir einige Jahre später in eine andere Stadt gezogen sind und alles neu für uns war, haben mein Hund und ich gemeinsam die Gegend erkundet. Er war an meiner Seite als ich – abgesehen von meiner Familie – sonst niemanden kannte. Ich weiß bis heute nicht, ob mein Hund mich wirklich beschützt hätte, wenn es darauf angekommen wäre. Glücklicherweise sind wir in all den Jahren niemals in eine ernsthaft bedrohliche Situation geraten. Dennoch hat er mir immer ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Gerade weil ich viel allein unterwegs war, war das sehr wertvoll. Schließlich wussten andere Menschen ja nicht, dass ich eigentlich mit einem Lamm im Hundepelz unterwegs war, das beim Anblick der ersten Katze zitternd Reißaus genommen hätte.

Mein Hund war bei meinem allerersten Date in der Kleinstadt-Eisdiele an meiner Seite und hat mir Mut gemacht. Und er war viele Jahre später bei meinem letzten ersten Date mit meinem späteren Mann mit von der Partie. Ob ich damals wirklich zu diesem relativ spontanen Spaziergang am Rhein gegangen wäre, wenn er nicht dabei gewesen wäre? Vermutlich nicht.

Ich war nie der Lieblingsmensch für meinen Hund. Das war unangefochten mein Vater. Auch hatten wir bei Weitem nicht diese innige Beziehung, die ich heute mit meiner Hündin habe. Er hat mich nicht aktiv getröstet, wenn ich traurig war, aber er ist in seinem Körbchen ein Stück zur Seite gerückt, so dass genug Platz für mich war, mich an ihn zu lehnen. Er war ein immer gelassener, cooler und souveräner Begleiter, dem jede Aufregung fremd war. Als er schließlich mit 14 ½ Jahren gestorben ist, war ich gerade einige Monate aus dem Elternhaus ausgezogen. Ohne ihn. Warum hätte ich diesen treuen Freund auch aus seiner gewohnten Umgebung, seinem geliebten Wohnzimmer mit den vielen Sonnenplätzen und meinem Vater in der Nähe reißen sollen, nur weil er mir fehlen würde?

Dank meines Vierbeiners habe ich früh viel über Hunde und ihre Besonderheiten gelernt. Statt wie andere Mädchen mit Freundinnen vor dem Fernseher die coolsten Tanzschritte nach zu tanzen, stand ich im Regenmantel und Gummistiefeln auf dem Hundeplatz und habe versucht, diesen Sonnenhund zu überzeugen, doch wenigstens für die Begleithundeprüfung trotz nasser Wiese beim „Platz“ auch den Bauch abzulegen. Wahrscheinlich sind schon damals die Weichen gestellt worden, denn bis heute gebe ich dem Waldspaziergang den Vorrang vor einem Discobesuch. Schade nur, dass ich sowohl damals als auch heute daran gescheitert bin, meine tierischen Freunde auch auf nassem Untergrund zu einem anständigen „Platz“ zu bewegen. Aber daran, dass das meine größte Sorge ist, sieht man schon, welch großes Glück ich mit beiden Hunden gehabt habe.

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