Katzen und Baby: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht aus einem Zweikatzen- und Zweikinderhaushalt

Von Ola M., shelta-Team (7)

img_6151Sonntagmorgen, 6 Uhr. Der Tag zwischen Katzenklo, Legosteinen und Windeleimer beginnt.

Wäääääähhhhhh!“
„Mama, der Baby ist wach! MAMA! Hörst du nicht?!“
„Wääääääh-hääää-häääääää!“
„Miau.“
„Natürlich höre ich ihn. Er liegt doch direkt neben mir. Schlaf weiter.“
„Aber Mama, du musst ihm Milch geben – snell, der Baby hat Hunger!“
„Ja, ich-“ – „Miau.“ – „weiß das! Schließlich liegt er direkt“ – „Miau.“ – „ neben mir.“
„MIAUUUU!“
„Mama, die Katzen rufen. Ich glaube, sie haben auch Hunger! Snell, du musst sie Futter geben.“
„MIAUUUUU“
„Mama?“
„Ja?“
„Ich habe Hunger. Kannst du Frühstück machen?“
„MIAUUU-MIAUUUUU-MIIIIIAAAAAU!!!!“

Ob Sonn-, Diens- oder Freitag spielt keine Rolle, denn täglich grüßt das Katzentier in zweifacher Ausführung – und das bereits um 6 Uhr früh. Dass Kind Nr. 2 (knapp 3 Monate alt) seine Aufwachzeit zufällig auch auf 6 Uhr gelegt hat und Kind Nr. 1 (3 Jahre alt) sich mit seinem ganzen Engagement in alles reinhängt und uns am laufenden Band Arbeitsanweisungen erteilt, macht’s nicht gerade einfacher (wir nennen sie liebevoll „Kleiner Diktator“). Also reibe ich mir den Schlaf aus den in tiefes Schwarz gebetteten Augen und stolpere aus dem Bett. Ich schwanke und wanke nach einer unruhigen Babynacht. Es dauert eine Weile. Der Rücken schmerzt. Die Rückbildung des schwangerschaftsgeplagten Körpers läuft noch. Ich stehe, mehr schlecht als recht, aber ich stehe. Erste Hürde des Tages gemeistert. Mein Mann schnarcht weiter. Elternzeit sei Dank haben wir ihn bei uns. Schlafend, aber anwesend – körperlich zumindest.

Geständnis Nr. 1

Bereits einige Wochen vor der Geburt von Kind Nr. 2 haben wir mit einer Netztür den Zugang zum Schlafzimmer versperrt. So haben wir nachts zwar frische Luft im kleinen Schlafraum, aber die Katzen können dennoch nicht rein. Wie die meisten anderen Eltern, hatten auch wir Angst, dass sie sich aufs Baby legen oder dass sie, wenn sie ihre fünf Minuten haben, ohne Rücksicht auf Verluste über alles drüber trampeln und Kind Nr. 2 verletzen könnten. Also, kein Zugang für Katzen des Nachts. Haben sie es doch in einem unbeobachteten Moment geschafft, ins Zimmer zu gelangen, trugen wir sie liebevoll, aber konsequent mit einem deutlichen „Nein“ raus, damit sie verstehen (verstehen! Rückblickend muss ich darüber lachen!), dass das Schlafzimmer von nun an tabu war. Wir naiven Träumer.

Und hier ist direkt mein erstes Geständnis: Trotz weiser Tipps auf Ratgeberseiten, die ich bereits vor der Geburt von Kind Nr. 1 ausführlich studiert, ja geradezu auswendig gelernt und angewandt habe, akzeptiert mein Kater die Schlafzimmergrenze nicht. Wir leben also mit dem penetranten „MIAUUU!“ und den kater‘schen Versuchen, die Tür aufzustoßen. Abend für Abend, Morgen für Morgen, bis er genug hat. Nur am Rande: Sogenannte Katzenfernhaltesprays kann man sich getrost sparen. Laut Anleitung soll man sie dort hin sprühen, wo die Katze nicht hin soll – ein unangenehmer Geruch soll dafür sorgen, dass die Katze einen weiten Bogen macht. Ich glaube, man hätte mehr Erfolg, wenn man direkt die Katze damit besprühen würde… Teures Zeug, das nach einer Anwendung an der Netztür direkt im Mülleimer gelandet ist.

Nun, diese Netztür steht jeden Morgen zwischen mir und dem Alltag mit den Katzen. Mein Mann streckt sich und beruhigt unser Baby. „MIAUUUUUU!“ „MEEEEAAAUUUU!“ Ich trete also aus dem Schlafzimmer. Die Katzen stimmen ihr tägliches Klagelied an. Näpfe leer, Mägen knurren, Katzen stinksauer. Wuseln zwischen meinen Beinen herum. Nach so einer Nacht stolpere ich regelmäßig. Wenn nicht über einen Legostein, dann über eines der beiden Streunertiere. „Verdammt! Muss das sein?“, fluche ich leise vor mich hin. „MIAU!“ Alles „sch-sch-schschsch“ hilft nix. Sie als aufdringlich zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich kann‘s verstehen. Noch vor wenigen Jahren waren sie der familiäre Mittelpunkt zwischen meinem Mann und mir. Nun sind da zwei Konkurrenten. Das passiert wohl bei (fast?) allen Katzenhaltern, wenn Nachwuchs kommt. Die Stimmung kippt, als die Vierbeiner lauthals einfordern, was ihnen zusteht und ich gerade im Eiltempo das morgendliche Fläschchen zubereite, es meinem Mann ins Schlafzimmer reiche, um direkt im Anschluss die Waschmaschine einzuräumen, weil Kind Nr. 2 sein Bettchen vollgespuckt (gespuckt – welch liebevolle Untertreibung!) hat. Parallel dazu schmiere ich Frühstücksbrot für Kind Nr. 1, während ich im Kopf durchgehe, ob noch genügend Windeln im Schrank sind und die To-Do-Liste für den Tag anfertige. „Mama, ich will aber mit Mamalade und nicht mit Frischkääääse!“. Habe ich erwähnt, dass die Kita gerade Ferienschließung hat? „Mama, nicht die gelbe Mamalade – die rooote Erdbeermamalade, bitteee!“. Ferienschließung drei Wochen am Stück – AM STÜCK!

Geständnis Nr. 2

Gerademal aufgestanden und schon voll im Geschehen. Fremdgesteuert von zwei Kindern und zwei Katzen. Ich hab’s ja so gewollt. Vorgestellt – Ratgebern sei Undank – jedoch ein wenig anders.

Und das ist mein zweites Geständnis: Entgegen Ratgebertipps orientieren sich die Fütterungszeiten nun nicht mehr an den Zeigern der Küchenuhr, sondern daran, wer am lautesten schreien kann – und hier gewinnt immer Kind Nr. 2. Den zweiten Platz belegt mit dem Dauerbrenner „Mama, ich habe sooooo einen großen Hunger!“ inklusive dramatischer Intonation meist Kind Nr. 1. „MIAUUUUUU!“ und „MEEAAAUUU!“ belegen den dritten Platz. Entthront und schlecht gelaunt bereits am frühen Morgen. Ich sehne ein Aspirin herbei, während ich die Näpfe spüle. „MIAAAAAUUUUU!!!“ „Mama, gib die Katzen endlich Essen. Die haben Hunger.“ Grmpf…

Geständnis Nr. 3

Nachdem nun endlich alle gefüttert sind und die erste Waschmaschinenladung des Tages ihre Runden dreht, begebe ich mich ins Badezimmer, in der naiven Hoffnung, mir einfach mal die Zähne putzen zu können. Katzenstreu unter meinen Füßen verhindert jedoch einen angenehmen Zutritt in den Raum, der früher mal meine Wellness-Oase war. Also wird erstmal der Boden gefegt (hatte ich schon meine Rückenschmerzen erwähnt?), und wo ich schon dabei bin, die Katzenklos gereinigt – denkste! „Mama, kannst du mir noch mehr Brot machen?“, ruft Kind Nr. 1 quer durch die Wohnung, was Kind Nr. 2, das nach seiner Mahlzeit weggenickt war, aufweckt. „WUUÄÄÄHHH!“ – „Mama! Mama? MAMA, der Baby ist waaach!“. Das Kackschippchen zur Seite gelegt, eile ich ins Wohnzimmer und tröste mein Baby, während mein Mann versucht, Katzenerbrochenes aus dem Teppich zu pulen. Es landet immer auf dem Teppich! Wer will schon beim Kotzen kalte Füße… „Miau.“ – „Miau.“ – „MIAAUU!“ Natürlich möchte ausgerechnet jetzt die Katze ihren morgendlichen Toilettengang absolvieren. Und da Madame keinesfalls ein Katzenklo aufsucht, in welchem schon ein kleines oder großes Geschäft verrichtet wurde, wird so lange gemeckert, bis ich mich dieses Notfalls annehme. Andernfalls pinkelt Madame in die Badewanne – dafür ist sie sich nicht zu fein. Kind Nr. 2 ist wieder glücklich und zufrieden, Katzenkloreinigen mein nächster Job. Zähneputzen rutscht auf der Prioritätenliste runter.

Drittes Geständnis: Wie man sich denken kann, wurde in unserer kinderlosen Zeit größtmögliche Sorgfalt in Sachen Katzen-WC an den Tag gelegt. Auch diese Routine ist zum Schrecken für alle Beteiligten hin. Es ist sauber – meistens. Aber es dauert eben mal 10 Minuten länger.

Geständnis Nr. 4

So, alle gefüttert und sauber. Dann kann der Spaß – womit der Haushalt gemeint ist – beginnen. Meine ungeputzten Zähne habe ich zwischenzeitlich vergessen. Partnerschaftlich teilen wir die Arbeit auf, wobei einer für die Bespaßung von Kindern und Katzen zuständig ist, während der andere hin- und her rast: Waschmaschine ausräumen, frische Wäsche einräumen, Mittagessen vorbereiten, Staubsaugen, Böden wischen, Küche und Bad putzen…klar, was gemeint ist. Da ich der tiefen Überzeugung bin, den Haushalt nicht nur schneller, sondern auch besser zu machen als mein Gatte, beschäftigt sich besagter Gatte mit Kindern und Katzen. Unterdessen Kind Nr. 1 in seiner Spielküche schon mal das Mittagessen kocht, liegt Kind Nr. 2 also auf seiner Krabbeldecke, während die Katzen kleinen Bällen hinterherjagen. Schnell äußert jedoch Kind Nr. 2 mit einem lauten Schrei seinen Unmut über diese (in seinen Augen) unhaltbare Situation. Kind Nr. 1 ist sofort zur Stelle und weist Papa an, was zu tun ist. Also, Spielende – für alle, und Baby wird geschaukelt.

Viertes Geständnis: Auch die Spiel- und Schmuseeinheiten sehen momentan anders aus. Haben wir Zeit, haben die Katzen keine Lust. Haben sie Lust, haben wir keine Zeit. Lediglich zu einer einzigen Tageszeit trifft man sich und genießt ein paar ruhige Momente – abends um 20:30 Uhr wenn die Kinder schlafen. Verschwinden Spielzeugautos, Legosteine und Teddybären von der Couch, ist Platz genug für zwei Erwachsene und zwei Katzen. Schnurrend räkeln sie sich hin und her. Stupsen uns an und fordern ein, was ihnen zusteht. Genussvoll lagern sie mal hier mal da, immer unter oder auf einer kraulenden Hand. Bis der Kater gegen 22 Uhr entscheidet, sich zur Ruhe zu legen. Das macht er seit einiger Zeit im Bett von Kind Nr. 1. Er legt sich auf ihre Füße und beide kuscheln sich so durch die Nacht. Ein Anblick für Götter. Die Katze hingegen bleibt so lange bei uns (besser gesagt bei meinem Mann, denn ich werde lediglich zum Füttern und Kloputzen gebraucht), bis wir schlafen gehen. Die Schmusestunden verfliegen. Im Haus ist es ruhig. Alles im grünen Bereich. Das Zähneputzen kann ich mir jetzt auch sparen.

Zuvor mussten jedoch noch einige Hürden gemeistert werden. Was sich nämlich morgens abspielt, wiederholt sich 12 Stunden später in selbiger Reihenfolge: Alle haben sie Hunger, alle rufen nach Brot, Milch und vollen Näpfen. Vom Katzenklo ganz zu schweigen.

Fazit

Internet und Buchhandlungen sind voll von Ratgebern mit gut gemeinten Tipps. Bei manchen klappen sie – bei manchen eben nicht. Aber hey: Was soll’s! Unsere Katzen sind Familienmitglieder und Familien halten zusammen. Nein, es ist nicht einfach – keine Frage. Aber ganz im Stile des Mama-Mantras kann ich bestätigen: Es-ist-nur-eine-Phase-ommmm-es-ist-nur-eine-Phase! Die schwerste Zeit ist das erste Jahr in Babys Leben. Wobei, bereits nach wenigen Wochen hat man einen Rhythmus gefunden, der für alle (auch für die Vierbeiner der Familie) passt. Hier muss man sich einfach eine Zeit lang zusammenreißen. Aber es lohnt sich. Ein Leben mit Kindern und Tieren ist das Beste, das man führen kann! Unabhängig von den ganzen Studien, die ein deutlich höheres Maß an Empathie und sozialen Fähigkeiten bei solchen Kindern attestieren, ist es wunderschön zu beobachten, wie die Freundschaft zwischen Kind und Katze aufkeimt und wächst.

Und die Moral von der Geschicht? Es ist das perfekte Leben für mich. Meine Katzen gehören ebenso dazu wie meine Kinder, aber Zähneputzen wär an diesem Tag schon schön gewesen.

3 Gedanken zu “Katzen und Baby: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht aus einem Zweikatzen- und Zweikinderhaushalt

  1. Es ist doch ein ewiger kreislauf von abenteuet jetzt wo meine beiden mädchen gross sind14/18 blicke ich gerne auf diese Erinnerung unseres kleinen Abenteuer mit viel herz zurück Es lohnt sich allemal das zu wiederholen wann man die zeit zurück drehen könnte und ivh habe noch eine erkenntnis mehr sampftpfoten haben die ruhe weg ein grosses plüschherz und so viel fringefühl das in der kalten zrit die wärmpflasche völlig überflüsdig war in dieser zeit den keine wärmflasche ist kuschliger weicher und wärmer als eine katze und hat man zwei davon perfekt nie wird dem.baby kalt gewesen sein ♡

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