Kleintierhaltung – zwischen Liebhaben und Verantwortung

Kleintierhaltung-Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Wellensittich

Kleintiere sind anspruchsvoll und bedeuten viel Arbeit aber auch Spaß. © Malik Karakus, Tina Pauluweit, Pixabay

Sie sind süß, klein und haben weiches Fell: Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster & Co. Irgendwann im Leben wird jeder bestimmt einmal mit dem Wunsch nach einem Kleintier konfrontiert, sei es nun der eigene oder der des Kindes. Wichtig ist jedoch, dass ein Kleintier nicht als „pflegeleicht“ angesehen werden sollte. Denn die kleinen tierischen Freunde sind ziemlich anspruchsvoll und die Aufgaben, die täglich erledigt werden müssen, dürfen nicht unterschätzt werden.

Bevor ein kleines Tier bei Euch einzieht, solltet Ihr Euch unbedingt über die artgerechte Haltung und Ernährung informieren und Euch einige Fragen stellen: Kann ich dem kleinen tierischen Mitbewohner den benötigten Platz bieten? Habe ich Zeit für die Pflege? Passen seine Bedürfnisse zu meinem Lebensstil?

Allergisch gegen Tierhaare?

Bevor das neue Kleintier einzieht, sollte unbedingt über einen Allergietest nachgedacht werden. Gerade gegen Nagerhaare sind viele Menschen unwissentlich allergisch und merken dies erst, wenn der neue Mitbewohner mit Sack und Pack eingezogen ist. Tränen dann die Augen und läuft die Nase, ist ärztlicher Rat unvermeidbar. Testet das doch auch mal bei Freunden, die ein Kleintier haben. Reagiert Ihr, wenn Ihr zu Besuch seid?

Enttäuschungen vorbeugen – Kleintiere sind keine Schmusetiere

Das wahrscheinlich gängigste Vorurteil in Sachen Kleintier muss wohl der Hamster ausbaden. Oft als anspruchsloses `Einstiegstier´ empfohlen, wird er so manches Mal zum Kuscheln aus dem Tiefschlaf gerissen: Dabei handelt sich beim Hamster um ein scheues nachtaktives Tier, von dem der Halter am Tag in der Regel nur wenig hat. Enttäuschte Kinderaugen vor einem dunklen Häuschen, in dem sich der Hamster gerade träumend zusammenrollt, sind deshalb möglich, wenn das Kind hierüber nicht vorher aufgeklärt wurde. Deshalb muss vor jeder Entscheidung, ein Tier aufzunehmen, eine Recherche erfolgen, welche Lebensbedingungen das Wunschtier benötigt und ob man selbst diese Lebensbedingungen garantieren kann. Auch Kaninchen und Meerschweinchen sind sogenannte Fluchttiere und mögen in der Regel keinen Körperkontakt beziehungsweise sind keine Tiere zum Schmusen.

Kleintiere brauchen Artgenossen

Was ebenfalls oft nicht bedacht wird ist, dass kleine Tiere wie Kaninchen, Meerschweinchen aber auch Wellensittiche sehr gesellige Tiere sind. Sie brauchen Artgenossen für das Wohlbefinden, die Kommunikation sowie Sozialkontakte. Das bedeutet für Euch: Ihr benötigt mehr Platz, mehr Pflege, mehr Futter etc.  Ausnahmen sind Hamster, die als Einzelgänger ohne weitere tierische Gesellschaft gehalten werden sollten.

Die richtige Umgebung

Ob nun Hamster, Kaninchen oder Meerschweinchen: Ein Käfig beziehungsweise Gehege darf niemals zu klein sein. Käfige, die in Fachgeschäften angeboten werden, sind in der Regel viel zu klein. Besser ist es daher großzügige Gehege statt Käfige einzurichten. Zwei bis drei Kaninchen brauchen beispielsweise ca. 6 qm. Kleintiere benötigen so viel Platz und Bewegungsfreiheit zum Spielen, Hoppeln und Rennen. Auch Klettermöglichkeiten, Verstecke und natürlich das Futter müssen in einem solchen Gehege Platz finden, ohne dass sich die Tiere eingeengt fühlen.

Beachtet werden muss unbedingt, wie oben bereits erwähnt, dass Meerschweinchen und Co. nicht gerne allein leben. So sollte entsprechend viel Futter, Einstreu und natürlich auch Zeit eingeplant werden – außerdem entsteht auch entsprechend viel Schmutz, denn die Einstreu staubt.

Damit Kleintiere frei in der Wohnung laufen können, sollten Stromkabel, giftige Pflanzen und Stolperfallen jeglicher Art aus dem Weg geschafft werden. Ihr müsst auch darauf gefasst sein, dass Kleintiere beim Freilauf nicht unbedingt ihre Toilette im Gehege aufsuchen, wenn die Blase drückt.

Tipps, was Ihr beispielsweise bei der Reinigung des Vogelkäfigs beachten müsst, haben wir hier zusammengefasst: Vogelkäfig reinigen

Leben Eure Kleintiere draußen in einem Gehege, müssen natürlich weitere Dinge beachtet werden: Ist das Gehege winterfest? Sicher vor Gefahren? Können sich die Kaninchen rausbuddeln? Hier findet Ihr weitere Tipps zum Außengehege für Kleintiere.

Kleine Tiere = täglich viel Arbeit

Wer seinem Kind den Traum eines Kleintieres erfüllen möchte, muss sich bewusst sein, dass die Hauptverantwortung immer bei ihm liegt. Auch wenn das Kind verspricht, die ganze Arbeit zu übernehmen, seid Ihr als Erwachsene diejenigen, die dafür sorgen müssen, dass alles für das Wohl des Tieres getan wird. Die Arbeit, die bei der Pflege der Tiere anfällt, übersteigt die groben Schätzungen vieler Laien nämlich deutlich. So muss nicht nur der Käfig regelmäßig gereinigt werden, denn auch alle Utensilien vom Trinknapf über das Häuschen bis hin zu Spielzeugen und Klettermöglichkeiten müssen sauber sein. Doch hiermit nicht genug, denn auch Nage- und Kleintiere wollen angemessen mental gefordert werden.

Kleine Aufgaben und aktives Spiel sollten stets Bestandteil der Fürsorge sein, die dem Nager entgegengebracht wird – und das täglich und über einen langen Zeitraum hinweg: Meerschweinchen werden zum Beispiel in der Regel bis zu acht Jahre alt und Kaninchen können auch bis zu zwölf Jahre alt werden. Jeder künftige Tierhalter sollte sich im Klaren darüber sein, dass diese ganze Zeit eine Zeit der Verantwortung ist. Urlaube, Krankheiten und beruflich anstrengende Phasen bilden hiervon keine Ausnahme.

Entscheiden mit Bedacht ist das A und O

Sind alle relevanten Fragen geklärt und bleibt der Entschluss, Meerli, Kaninchen und Co. ein Zuhause zu geben, spricht nichts dagegen, lange Freude mit den spielfreudigen und wirklich niedlichen Tieren zu haben.

3 Gedanken zu “Kleintierhaltung – zwischen Liebhaben und Verantwortung

  1. Pingback: Außengehege für Kleintiere - shelta Blog | Tierschutz, Haustiereshelta Blog | Tierschutz, Haustiere

  2. Das mit den Allergien kann ich bestätigen. Ein Allergietest ist ein Muss, man kann aber auch einen fFreund besuchen der Kaninchen hat. Ich dachte damals meine Allergie wäre besser (laut Tests).. Bei den meisten Tieren war es auch so, aber als sich meine Freundin ein Kaninchen angeschafft hat kommte ich nicht mehr bei ihr übernachten. Ging total auf die Lunge (Asthma) und hatte allergische Reaktionen. Also: Bevor mein sich ein Schlappohr holt erst sicher sein dass man keine Probleme bekommt 🙂

  3. Ihr habt vergessen zu erwähnen, dass es sich bei Meerschweinchen um Tiere handelt, die keinen Körperkontakt möchten und bei Kaninchen um Fluchttiere, von denen die meisten auch nicht am schmusen interessiert sind. Hamster möchten ebenfalls nicht angefasst werden und dies gilt auch für die meisten Mäusearten. Lediglich Ratten können sich zu richtigen Schmusern entwickeln.
    Da insbesondere sehr junge Kinder Tiere streicheln wollen und auf dem Arm herumtragen, darf die Eignung von Nagern und Hasenartigen als Haustiere für Kindern also generell mit Vorsicht betrachtet werden.

    Außerdem sollte dringend erwähnt werden, dass für alle diese Tiere gilt: Die in Zoofachgeschäften erhältlichen Käfige sind viel zu klein und ungeeignet! Kaninchen brauchen z.B. pro Tier min. 2m² auf einer Ebene. Da sie nicht allein gehalten werden dürfen, muss ein Gehege min. 4 m² Fläche für zwei Kaninchen haben und selbst dass ist nach meiner persönlichen Erfahrung noch zu wenig! Für zwei Meeris braucht es min. 3 m² auf einer Ebene und dazu eine zweite Ebene. Für Ratten kann man einen ganzen Kleiderschrank umbauen!
    Zu bedenken ist ebenfalls, dass zumindest die Wiese-Esser, also Nickel und Meeris gesundheitlich wesentlich empfindlicher sind als unsere robusten Katzen und Hunde. Ihre Ernährung, wenn sie artnah und gesund erfolgen soll, ist mit einem viel größeren zeitlichen Aufwand (Wiese pflücken; jeden Tag!) verbunden, als der Einkauf von Dosenfutter für Hunde und Katzen.

    Das sind alles Punkte, die vor der Anschaffung eines Hasenartigen oder Kleinnagers unbedingt berücksichtigt werden müssen!

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