Khumba’s Glück: Vom schwervermittelbaren Hund zum eigenen Zuhause

Der dreijährige Rüde Khumba ist einer der Hunde aus dem Projekt „Start-ins – neue – Leben“ von Perdita Lübbe-Scheuermann. Khumba, dessen Name für „Bitte halt mich, damit ich an mir wachsen kann“ steht, ist ein sensibler und kluger Cattledog-Mischling.

An sich wachsen ist das, was der Rüde in nächster Zeit bestimmt tun wird: Wegen eines Beißvorfalls kam er zum Tierschutzverein Viernheim und Umgebung e.V. Täglich werden nun verschiedene Situationen mit ihm trainiert und vertrauensbildende Momente geboten, damit er dazulernen kann. Er ist ein Hund, der schnell besorgt sein kann. Andererseits steckt eine fröhliche Seite in ihm und genau diese locken wir immer wieder aus ihm hervor, denn das Leben ist doch so viel schöner, wenn man entspannt und unbekümmert sein kann.

Unser großer Wunsch ist es, dass jeder Tierheimhund täglich seine eigene Qualitätszeit erhält. Zeit, um gemeinsam etwas zu erleben, miteinander unterwegs zu sein, Neues zu erkunden. Das bietet außerdem Gelegenheiten, sich auch mal etwas zu trauen und darauf stolz zu sein, wenn man es packt, zum Beispiel das Balancieren. Genau das ist vor allem für Khumba sehr, sehr wichtig, der oft in sich gefangen ist. Er wächst an solchen Situationen und wird sicherer, wenn er sich ab und an überwindet, und wenn er merkt, was er kann. Außerdem wird das Vertrauensverhältnis zu seinen Bezugspersonen gestärkt. Gemeinsame Erlebnisse schweißen schließlich zusammen.

Wir trainieren mit Khumba außerdem regelmäßig beispielsweise die Leinenführigkeit, den Rückruf und auch Hunde- und Menschenbegegnungen. Bei Begegnungen mit Artgenossen ist er anfangs ganz ordentlich ausgeflippt und hat gebellt, was das Zeug hält. Inzwischen meistert er dies mit Bravour, wenn er entsprechend angeleitet wird. Wir nehmen ihn bei Ablenkung auf die abgewandte Seite, so dass wir dann zwischen dem anderen Hund und ihm sind. Übernimmt der Mensch die Verantwortung und fühlt sich zuständig, dann ist Khumba regelrecht froh darüber, sich nicht kümmern und Entscheidungen treffen zu müssen.

Bei Khumba spielt immer wieder das Thema Nähe eine Rolle. Sich streicheln zu lassen bzw. dies auch noch zu genießen, das ist für ihn keine Selbstverständlichkeit, wie es bei vielen anderen Hunden der Fall ist. Der Catteldog-Mischling ist teilweise recht ambivalent. Er möchte einerseits, aber dann wird es ihm manchmal doch zu viel, zu nah, zu vertraut. Seine Stimmung kann kippen. Das sind dann Momente, in denen es dazu kommen kann, dass er beißen würde. Er agiert nicht gegen den Menschen, sondern er tut es für sich, um seine Individualdistanz zu vergrößern. Je unbeschwerter der Mensch sich verhält, umso besser kann Khumba sich darauf einlassen. Er darf sich auch mal enger an den Menschen drücken und ausgelassen sein. Khumba reagiert stark auf die menschliche Gemütslage. Er lässt sich sehr gut auf Spaß und Freude ein und wird dann (meist) locker, wenn der Mensch es ebenfalls ist.

Warum begleitet TASSO Khumba auf seinem Weg der Resozialisierung? „Uns von TASSO ist es eine Herzensangelegenheit, dass alle Haustiere und daher auch Tierheimhunde, die als schwierig angesehen werden, eine Chance auf Vermittlung und ein schönes Zuhause haben. Wir freuen uns daher, als Projektpartner die Arbeit der Hunde-Akademie Perdita Lübbe zu unterstützen.“ sagt Philip McCreight, Leiter TASSO e.V. #KhumbasGlück

 

Khumba in Bildern

Khumba ist: clever, neugierig, skeptisch, aufgeweckt, sensibel, sanft, aufbrausend, liebebedürftig …

 


 

Khumba’s Chancen auf eine eigene Familie

Für Hunde, wie Khumba es ist, ist es gewiss nicht einfach, die passenden Menschen zu finden. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf. Wir haben schon so viele Happy Ends erlebt und das wird es auch für Khumba geben. Davon sind wir fest überzeugt. Er ist ein wunderbarer Hund, der teilweise taff erscheinen mag, aber einen sehr weichen Kern hat.

Wie sollten die künftigen Menschen sein?
Es sind Menschen gefragt, die ein Gespür für Hunde haben, die ihn verstehen und die ausgesprochen viel Erfahrung, vor allem mit schwierigen Hunden, mitbringen. Außerdem sollte die Bereitschaft vorhanden sein, Unterstützung anzunehmen und mit ihm und durch ihn zu lernen. Interessenten müssen ausgesprochen verantwortungsvoll sein und Khumba mit einem Maulkorb absichern.

Nötig sind außerdem Wohlwollen, Durchhaltevermögen, Geduld und eine geringe Erwartungshaltung. Umso gelassener geht man gemeinsam durchs Leben.

 


 

Khumba’s Tagebuch: Training und Entwicklung

  • Dezember 2021: Khumba mag es, Zeit mit seinen Bezugspersonen zu verbringen und dabei einen gewissen Freiraum zu haben. Er ist gern zusammen draußen unterwegs und liebt es zu schnüffeln und zu erkunden. Khumba ist agil, er springt über Baumstämme oder balanciert darauf und ist für viele gemeinsame Aktion zu begeistern.

Khumbas Fortschritte: Er ist grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber Menschen. Insofern ist es ein großer Sprung nach vorne, dass inzwischen mehrere Menschen des Trainer-Teams mit ihm umgehen können. Dies ist ein deutlicher Fortschritt, da er nun mit unterschiedlichen Personen unterwegs sein darf und dadurch ausgeglichener ist. Er baut immer mehr und mehr Vertrauen zu seinen Bezugspersonen auf, kann mit ihnen eine Menge erleben und weitere Erfahrungen sammeln.

In Hundebegegnungen, die sich unterwegs ergeben, bleibt er dank des Trainings weitestgehend gelassen. Er ist froh, wenn ihm Entscheidungen abgenommen werden und lässt sich wesentlich ruhiger, als es in der Anfangszeit der Fall war, an Artgenossen vorbeiführen. Unter Aufsicht ist es inzwischen sogar möglich, ihn in die Hundegruppe mitzunehmen, um unterschiedliche Sozialkontakte zu erleben. Das war anfänglich gar nicht möglich.

Woran muss weiterhin gearbeitet werden? Khumba fällt es enorm schwer, Nähe zum Menschen auszuhalten, geschweige denn zu genießen. Das betrifft vor allem das Anfassen und Streicheln, aber natürlich auch das Untersuchen. Jeder Hund hat seine eigene Individualdistanz. Es ist bis zu einem gewissen Grad völlig in Ordnung, dass Hunde ihren Raum brauchen. Da Khumbas „Zündschnur“ teilweise allerdings sehr kurz ist, muss an den genannten Themen drangeblieben werden – zumal man ihm anmerkt, dass er sich im Grunde genommen gern mehr fallen lassen würde.

  • Oktober 2021: Khumba ist im Umgang mit anderen Hunden kritisch. Seine Nerven sind nicht die besten und die Stimmung kann je nach Situation und Gegenüber schnell kippen. Der Rüde weiß bei Menschen und auch bei Hunden seine Zähne einzusetzen und zu beißen. Leider bedeutet solch ein Verhalten häufig, dass Hunde von Artgenossen ferngehalten werden und keine Sozialkontakte haben können. Im Tierheim Viernheim sieht es anders aus. Hier wird Khumba regelmäßig der Kontakt zu verschiedenen Hunden unter Aufsicht ermöglicht. Der Maulkorb ist dabei ein tolles Hilfsmittel, welches mehr Freiheiten bietet. Khumba kann sich so unter Anleitung in Begegnungen üben. Gerade für Hunde als ausgesprochen soziale Lebewesen ist das sehr wichtig. Hinzu kommt, dass Hunde, die als schwierig gelten, leider häufig lange Zeit auf ein Zuhause warten. Diese Zeit gilt es, sinnvoll zu nutzen und für eine entsprechende Lebensqualität zu sorgen. Der Kontakt zu Artgenossen ist ein Teil davon. Auf dem Foto ist Khumba mit Tierheim-Mitbewohnerin Dewulana zu sehen.
  • Juni 2021: Was einfach aussieht, ist für Khumba manchmal gar nicht so einfach: Der Vierbeiner weicht bei unbekannten Gegenständen eher zurück. Er schließt sich allerdings seiner Bezugsperson an, wenn diese gelassen dorthin geht und sich den jeweiligen Gegenstand ansieht. Khumba lässt sich durch die Menschen, denen er vertraut, unterstützen. Daher werden mit Khumba verschiedene Situationen geübt. So erlangt er mehr Sicherheit und merkt, dass nichts passiert.
  • April 2021: Khumba ist nun eine Weile in Viernheim. Er ist ein sensibler Hund und braucht ein bisschen Zeit, bis er Vertrauen fasst. Am Anfang befassten sich zunächst hauptsächlich zwei Tierheim-Mitarbeiter mit Khumba, zu denen er Schritt für Schritt mehr Vertrauen aufbaute. Inzwischen wurde der Vierbeiner auch an weitere Mitglieder des Teams herangeführt. Es ist gerade im Tierheim-Alltag sehr wichtig, dass verschiedene Menschen mit ihm umgehen können. Im Hinblick auf sein zukünftiges Zuhause, ist es ebenfalls wichtig, wenn er mit mehreren Menschen zu tun hat.

Fortbildungsreihen für TierheimtierpflegerInnen: TASSO veranstaltet gemeinsam mit der namhaften Hundetrainerin Perdita Lübbe-Scheuermann die Fortbildungsreihe „TASSO-Wissen“. Dazu finden regelmäßig Veranstaltungen statt, bei denen sich unter anderem TierheimtierpflegerInnen weiterbilden können.

 

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