Was hat er falsch gemacht? Als Linus ausgesetzt wurde

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©Kyra Gedrange, Leano kann sich glücklich schätzen: Der Hund hat ein liebevolles Zuhause, wo er das Leben seiner Familie mit seiner unbändigen Liebe bereichert. Er hat eine Familie, die ihn zu schätzen weiß. Ihm droht nicht das Schicksal, das Linus ereilt hat.

Von Ola M., shelta-Team

Dies ist die Geschichte eines Hundes, nennen wir ihn Linus, der von jetzt auf gleich seine Familie verlor. Dies ist auch eine Geschichte, wie sie sich jedes Jahr x-fach wiederholt: Vorzugsweise zur Ferienzeit an Raststätten. Vor allem ist dies aber ein Appell an die Vernunft, an die Liebe und an die Verantwortung, die wir unseren Hunden schuldig sind.


Linus kann uns nicht sagen, was in ihm vorgeht, als er das Auto weg fahren sieht. Zuerst blickt er einfach nur hinterher. Weit bewegen kann er sich nicht. Zu kurz ist seine um einen Pfosten gebundene Leine – unweit der Picknickplätze, wie sie an den meisten Raststätten in Deutschland zu finden sind. Vielleicht bellt er und springt hoch. Vielleicht sitzt er aber einfach nur da, in der Hoffnung, dass sein braves Benehmen belohnt und sie zurückkommen, ihm über den Kopf streicheln und ein Leckerchen zuwerfen würden.

Das Auto zieht eine Staubwolke hinter sich, so schnell rast es davon. Eigentlich saß Linus immer drin, hinten auf der Rückbank zwischen Katrin und Ben, den 14 Jahre alten Zwillingen. Die drei hatten schon viele Ausflüge unternommen. Aber in den letzten Monaten wurde es immer weniger. Das Interesse der Familie schien nicht mehr so groß zu sein. Am Anfang, als Linus ein tapsiger Welpe mit übergroßen Pfoten und riesigen Kulleraugen war, hieß es pausenlos: „Der ist sooo süüüß“. Heute sieht das ganz anders aus. Der temperamentvolle Rüde kriegt meist nur noch eins zu hören: „Linus, lass das! Geh weg!“ Immer öfter streiten die Zwillinge, wer mit ihm Gassi gehen oder wer den Napf füllen soll. Immer seltener geht jemand mit ihm auf die Hundewiese und schmeißt seinen geliebten roten Ball, damit er ihm hinterher rasen kann. Warum tun das eigentlich nicht die Eltern? Tragen sie nicht die eigentliche Verantwortung?

Und jetzt? Linus sitzt da. Allein. Vielleicht muss er einfach ein wenig warten. Vielleicht kommen sie gleich wieder. Vielleicht.

Doch die Hoffnung verfliegt. Beklommenheit macht sich breit. Wie viel Zeit mag vergangen sein? Eine Stunde, zwei oder drei? Es spielt keine Rolle. Sie werden nicht zurück kommen. Von nun an ist er ohne Familie und ohne Zuhause.

Was hat er falsch gemacht? Zu wild gespielt? Er ist doch ein junger Hund, das gehört dazu. Aber es spielt keine Rolle mehr. Er war wohl einfach nur im Weg. In jenem Weg, der die Familie in Ihr Urlaubsdomizil führte. Vielleicht waren Hunde dort nicht erwünscht? Vielleicht konnte die Familie aber kein hundefreundliches Urlaubshotel finden? Egal. Es lag nicht in seiner Verantwortung, ein passendes Hotel zu finden. Genauso wenig, war es sein Job war, für immer niedlich und klein zu bleiben, damit die Familie ihn liebte.

Man hat sich seiner entledigt! Ausrangiert! Von seiner eigenen Familie, die er sein Leben lang kannte, der er vertraute, die er bis in den Tod beschützen würde! Einfach ausgesetzt.

Es fahren Autos vorbei. Ab und an blickt auch ein fragendes Gesicht aus dem Fenster. Endlich bleibt eines stehen und jemand kommt zu ihm. Linus ist überglücklich. Wild wedelt er mit dem Schwanz. Mittlerweile ist es Abend. Wahrscheinlich hat er großen Durst und noch größeren Hunger. Der freundliche Helfer blickt sich ratlos in der Gegend um und schaut auf sein Handy, als würde er dort eine Anleitung für genau diese Situation finden.

Doch dann geht alles ganz schnell: Die Polizei trifft ein. Und so nimmt alles Weitere in der Obhut von gutmeinenden Menschen seinen Lauf. Nach einem halben Jahr wird Linus in eine liebevolle Familie vermittelt, dieses Mal eine Familie für immer.

Linus gibt es nicht wirklich. Aber ob sie nun Linus, Max, Bella oder Fienchen heißen: Sie wollen alle in eine liebevolle und verantwortungsbewusste Familie kommen, wo sie ihr Leben lang geliebt und akzeptiert werden. In eine Familie, die sie nicht im Stich lässt.

Kannst du das einem Hund bieten? www.shelta.net/Hunde

4 Gedanken zu “Was hat er falsch gemacht? Als Linus ausgesetzt wurde

  1. Hallo ihr lieben da draußen,
    Ich habe nach 11 Hunden und 5 einsamen Jahren mich wieder dazu entschieden einer Fellnase ein zu Hause zu geben. Eigentlich wollte ich wieder einen alten Hund (ab 6 Jahre). Doch es kam anders.
    Ich sagte nur, egal was, egal wie alt und woher. Wichtig ist das der Hund zu mir passt !!!
    Und siehe da! Es war Dezember und ich wartete schon fasst 1Jahr auf irgend einen Hund,den ich vielleicht nur pflegen und dann weitergeben würde. Noch immer dachte ich : du bist nur Pflegestelle!
    Und dann der Anruf, wir haben da eine Hündin, kannst du helfen ?? Klar, bring sie mir ich freu mich war meine Antwort. Die Maus ca.6 Monate sah mich an und ich sagte nur “ die geb ich nicht mehr her.
    Auch wenn die nur 2,5 Pfoten hat. Denn man hatte sie wohl überfahren wollen und ihr so die Pfoten abgetrennt.
    Jetzt habe ich „Shila“ schon 3 Jahre. Und wir sind zusammen wieder total aufgeblüht.
    Sie weil sie ein tolles Zuhause hat und ich weil sie mir soviel Freude macht.
    Und wenn wir noch etwas trainieren darf sie mit zur Schule als Therapiehund, dann ist alles noch besser. …. Grins ….
    Die Kinder freuen dich schon jetzt.

    Ich kann nur immer wieder sagen: jedes Tier hat ein tolles Zuhause verdient !

  2. Oh jaaa 🙂 das können und wollten wir neben unseren zwei Hunden, die als Welpe zu uns kamen und natürlich bis heute und auch zukünftig mit uns leben, unseren anderen drei Hunden aus dem Tierschutz bieten!
    Sie kamen von Zypern und aus Polen – weggeworfen, ausgesetzt, zum Einschläfern gebracht, weil entweder nicht mehr niedlich, klein und plüschig oder…was genauso verwerflich ist…..weil sie behindert sind…..die verformten Vorderpfoten sind durch Mangelfutter und Wegsperren auf engstem Raum entstanden…….ohne Augen kann man geboren werden, aber daran ist ja nicht der Hund schuld, genauso wenig, wie Derjenige, dessen weiche Knochen der falschen Haltung ausgesetzt waren und nichts gegen die langsame Verformung tun konnten…..dann ist es „einfach“, so einen blinden „Krüppels“ beim TA los zu werden oder einen Hund mit „Paddelfüßen“ auszusetzen!!! Der Dritte war wohl plötzlich ein ungewolltes, langweiliges Spielzeug der Kinder…..vllt. ist er deshalb so sensibel…war das der Grund, ihn zu entsorgen??
    Sie führen allesamt ein Beschwerde freies Leben, sie sind im Rudel glücklich, und alle Fünf werden von uns begleitet, eines hoffentlich fernen Tages, ihren Weg über die Regenbogenbrücke antreten…..
    Wir sind immer MIT unseren Hunden in den Urlaub gefahren – heute wohnen wir dort, wo Andere Urlaub machen, und wir sind am liebsten Zuhause im riesengroßen Garten mit gelegentlichen Ausfahrten 🙂
    DAS sollte man ALLES bedenken, BEVOR man einem Hund ein Zuhause geben möchte……….anderenfalls wird es für den Hund ein furchtbares Erlebnis…….unseren Drei merkt man das auch nach Jahren immer nochmal wieder an 🙁
    Würde man „Linus“ heute fragen, würde er vermutlich sagen, dass der Verlust seiner 1. Familie die Chance auf ein geliebtes, beschütztes Leben in seiner zweiten und Endfamilie war, und das er heute ein „sau“glücklicher Hund ist, der für immer bei seinen Menschen bleiben darf… 🙂
    Ola M. hat das so trefflich und sehr berührend geschrieben – meine Jahre lange Arbeit im TS hat mich gelehrt, dass diese Menschen wie Linus´ Familie offensichtlich noch lange nicht „aussterben“ werden……..denn erst dann wird TS nicht mehr erforderlich sein.
    Das ist der heimliche Wunsch meines Mannes…
    Beste Grüße von
    Michaela und dem Deichrudel

    • Oh, oh…ich habe den letzten Satz von Ola M. wohl missinterpretiert 🙁 Sorry
      Da wir schon 3 TS-Hunden ein liebevolles Zuhause geschenkt haben, sind wir leider am Limit, mit insgesamt 5 Hunden 🙁
      Wenn wir könnten, wie wir gerne wollen würden, dann……

      Beste Grüße
      Michaela

  3. Diejenigen, Die so etwas fertig bringen, sollten nie wieder ein Tier haben dürfen!!!!! Die haben kein Herz, denn mir tut meines schon weh, wenn ich mir den armen Kerli da alleine und angebunden vorstelle!!!!! Es sollte bei jedem Tierverkauf oder bei jeder Tieradoption ganz genau geschaut werden, ob diese sogenannten „Tierliebhaber“ auch wirklich auf Alles für Ihr Tier verzichten würden!!!!!!! Natürlich kann man nicht in die Menschen reinschauen, aber einige Möglichkeiten gibt es schon, um einem Tier ein wirklich liebevolles zu Hause für immer zu geben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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